HOME
MEINE SCHMALFILME
MEINE VIDEOFILME
FAMILIENCHRONIK
LEBEN IN CASTROP
LEBEN IN KALLENHARDT
LEBEN IN SUTTROP
LEBEN IN WARSTEIN
LEBEN IN WALTROP
JAHRGANG 1941
ELTERN
KRIEGSVERBRECHEN
MEINE 5 JOBS
WARSTEINER-EISENWERKE < 1.0
UNIBAU-BRILON < 2.0
KENNGOTT-HEILBRONN < 3.0
 KESTING-LÜNEN < 4.0
THYSSEN - PLETTAC < 5.0
BUNDESWEHR
SELLERISMUS
UNTERWEGS
FLIEGEREI
SEGELFLUG
MOTORSEGLER
MOTORFLUG
INNSBRUCK
TÖTLICHER UNFALL
UND SONST
FESTE-FETEN-FEIERN
ERLEBNISSE
BENZIN IM BLUT
TANZSCHULE
VERMISST
AUGENBLICK MAL...
THOMAS  GODOJ
GÄSTEBUCH
LESERBRIEFE
 IMPRESSUM



Fritz mit der Mooney neben mirIch stehe abholbereit in Kassel
Der Wettergott hatte es an diesem Wochenende gut mit den Fliegern in Soest gemeint. Strahlender Sonnenschein und eine Sicht bis zum Anschlag. Es war Samstag und ich schob mit Theo Dröge den Motorsegler an die Tankstelle. Bei dieser Gelegenheit erklärte er mir zum hundertsten Mal den Unterschied zwischen Flieger- und Flugwetter. Theo wollte nach Hamm und ich machte unsere Regent bereit, um Fritz Wischer nach Kassel-Calden zu begleiten. Die Mooney sollte zur Jahreshauptuntersuchung und ich flog hinterher, um ihn nach der Übergabe wieder zurück nach Soest zu bringen.

Der Start verlief glatt und ich genoss den schönen Flug. Kurz vor der Landung in Kassel nahm Fritz Funkkontakt mit dem Tower auf:  „Kassel Info, hier ist die DELTA ECHO …. von Soest zu ihrem Platz, erbitte Landeinformation.“  Kassel reagierte nicht, ich hörte nur ein dauerhaftes Rauschen in meinen Kopfhörern aber keine Antwort. Nach wenigen Minuten hörte ich Fritz knurren „Warum melden die sich nicht!“ und etwas später wiederholte er seine Anfrage:  „Kassel Info, hier ist die DELTA ECHO ….von Soest zu ihrem Platz, erbitte Landeinformation.“  Wieder keine Antwort und wieder das Rauschen. Jetzt wurde Fritz böse. Er schimpfte inzwischen wie ein Rohrspatz und wechselte in die Fäkaliensprache. Inzwischen war mir klar was da lief. Fritz hatte seit seinem ersten Funkspruch die Sendetaste am Mikrofon nicht mehr losgelassen und blockierte den kompletten Funkverkehr.

Die Männer auf dem Tower haben ihm anständig den Kopf gewaschen. Auf dem Rückflug schimpfte er mit mir: „Du bist ja vielleicht gut…..hättest doch mal was sagen können!“ Nein hätte ich nicht.

Nachdem er wieder auf Normal heruntergefahren war, erzählte er mir, dass uns eine Segelfliegerin zu ihren Polterabend in die Schützenhalle nach Lohne eingeladen hat. Klar, dass wir diese Einladung annahmen.

Neben der Fliegerei, war der Reiterverein Warendorf eingeladen. Die Mädels aus dem Verein hatten die Bewirtung in die Hand genommen. Ich entdeckte eine Freundin aus Warstein, sie war verwandt mit meinem Freund Albert Cramer, dem heutigen Inhaber der Warsteiner Brauerei. Sie arbeitete hinter der Theke und schenkte Bier aus, was irgendwie logisch war.

Es war eine tolle Fete und alle amüsierten sich köstlich. Als die Stimmung auf dem Höhepunkt war, zupfte mich Gisela am Ärmel: „Ich will jetzt nach Hause.“ Nachdem sie mehrfach vergeblich versucht hatte, mich mit nach Hause zu nehmen, war sie irgendwann verschwunden. Ich fand das nicht so tragisch, weil ja noch einige Leute da waren, die den gleichen Rückweg hatten.

Also sprach ich Theo Dröge an: „Nimmst Du mich mit?“  Theo stimmte zu.

Zwei Stunden später fand sogar ich, dass es spät genug sei und suchte Theo. Ulrich Lübke sagte mir: „Der Theo ist schon weg, aber wir können dich ja mitnehmen.“  Super dachte ich und drehte noch eine Runde. Als ich um 3:00 Uhr Uli und Heidi suchte, hatten die das Fest auch schon verlassen. Aber eine Reserve hatte ich ja noch, die Cramer-Tochter. „Klar nehme ich dich mit, wir müssen nur noch etwas sauber machen und dann geht es los.“  Läuft doch! Der Saal leerte sich und jemand aus dem Schützenverein fegte einsam die Tanzfläche. Jetzt wurde es aber Zeit. Ohne besondere Eile schlenderte ich zur Theke. Die Cramer-Tochter hielt mir ein Bierglas entgegen und prostete mir zu: „Ich bin jetzt blau und kann nicht mehr fahren, aber du gehst jetzt mit uns zum Spiegeleier braten!“

Mit Gesang und viel Getöse marschierten wir durch Lohne zu einem Bungalow. Der Kühlschrank wurde komplett geplündert, Eier und Schinken gebraten, und das letzte Bier getrunken. Die Akteure machten wirkten allmählich einen übermüdeten Eindruck und einer nach dem anderen verschwand um sich ein Schlaflager zu suchen. „Na toll!“  Ich brauchte jetzt erst einmal frische Luft, ging vor die Haustür und atmete tief durch. Die Tür fiel ins Schloss und ich hatte mich ausgesperrt.

Es war hell geworden und ich sehnte mich nach meinem Bett. Es war Sonntagmorgen 7:00 Uhr, mein Portemonnaie hatte Gisela mitgenommen und ich stand in sehr leichter Sommerbekleidung in Lohne, 30 km von zu Hause.

Mir fiel nichts Besseres ein, als Kurs auf den Flugplatz zu nehmen. 3,2 km und i.d.R. braucht man dafür etwa 40 Minuten. Also ging ich in der Hoffnung los, dort irgendeinen Flieger anzutreffen. Meine leichten Sommerschlappen waren nicht unbedingt die idealen Wanderschuhe und der Weg zog sich endlos hin. Mit Wanderliedern versuchte ich mir die Zeit zu vertreiben und einen Marschrhythmus zu finden. Aufgrund mangelnder gesanglicher Fähigkeiten war meine Singerei eher hinderlich. Ich stellte das Singen ein und marschierte eisern weiter. Als ich den Flugplatz in Sicht hatte, meinte ich aus der Entfernung Bewegungen zu erkennen, aber es war wohl eine Fatamorgana.

Der Platz lag einsam und verlassen in der Morgensonne. Nun stand ich wieder wie am Ausgangspunkt und zermarterte mir das Hirn, wie ich schnellstens in mein Bett komme. Altengeseke war der nächste Ort! Hier kannte ich Fritz Wischer und Friedhelm Drescher und einer davon ist garantiert zu Hause. Auf zur nächsten Etappe von 3,7 km mit einer Marschzeit von 45 Minuten.

Ich war schon wieder 20 Minuten unterwegs, hatte den Kirchturm von Altengeseke fest im Blick und glaubte aber, dass ich das kirchliche Bauwerk vor mir herschiebe und dem Ort kein bisschen näher kam. Die Autobahn A44 dazwischen gab es damals noch nicht und deshalb konnte ich vom Flugplatz aus die Kirche schon sehen. Unverdrossen trottete ich weiter und seit 5 Minuten marschierte ein Fasan vor mir her. Wenn ich schneller ging, beschleunigte er ebenfalls sein Tempo, drosselte ich meine Marschgeschwindigkeit, trippelte er auch gemütlicher. Sicherlich kam er auch von einem Polterabend.

Bei mir entwickelte sich ein Jagdinstinkt und ich war mir sicher, dass ich ihn fangen könnte. Ich malte mir aus, wie sich Fritz oder Friedhelm darüber freuen würden, wenn ich ihnen einen Sonntagsbraten mitbringen würde. Ich brachte mich in eine günstige Position, lief nur noch auf Zehenspitzen und gab mir den Startbefehl. Die Hände in Vorhalte machte ich einen Hechtsprung auf den Fasan. Ich weiß nicht, ob ich es mir heute einbilde, aber ich meine, dass der Vogel gelacht hat, als ich mit leeren Händen auf dem Bauch lag und er über mir kreiste. 

Die Bauchlandung hatte auch etwas Gutes, durch dieses Intermezzo war die Zeit schneller vergangen und ich näherte mich schon dem Orteingang. Ich musste nun eine Entscheidung treffen, rechts nach Drebbers oder links nach Wischers. Ich entschied mich für links.

Als ich bei Wischers vor dem Haus stand,  staunte ich wieder einmal über den überaus sorgfältig gepflegten Rasen. Ich hatte immer den Eindruck, dass Fritz jeden Halm mit Namen kannte und ihn einzeln pflegte. Gerade wollte ich klingeln, als ich feststellte, dass die Tür nur angelegt war. Vorsichtig betrat ich das Haus und wollte auf dem direkten Weg eine Etage höher ins Gästezimmer. Es herrschte absolute Ruhe und es tat mir leid, Trude und Fritz zu wecken, aber ich wollte wenigstens Bescheid sagen. Als ich im Schlafzimmer das Licht anknipste, schossen beide im Bett hoch und Fritz fragte spontan: „Wie viel Mann seid ihr?“

Ich schloss die Tür und beeilte mich noch zu sagen „Bin alleine, haben mich sitzen gelassen.“ Sie merkten wohl, dass ich meine Ruhe haben wollte und ließen mich ohne weitere Fragen nach oben gehen.

Wischers sind nette Leute, sie ließen mich bis 12:00 Uhr schlafen und warteten sogar mit dem Frühstück auf mich. Nun wollten sie natürlich die ganze Geschichte hören und wissen, wie ich in die missliche Situation geraten konnte. Nach dem Frühstück rief Fritz in Warstein an: „Kann ich deinen Mann mal sprechen?“ Die Antwort kam ziemlich gelassen: „Ich weiß nicht wo er ist, den habe ich gestern Abend in Lohne verklüngelt.“  

Wie nicht anders zu erwarten war, brachte mich Fritz nach Warstein und über Jahre fragt er mich immer, wenn wir uns mal wieder sehen: „Wie war das noch damals?“
Die StreckeAltengeseke in Sicht