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Dieser Beitrag ist meinen bei Flugunfällen verstorbenen Freunden und Fliegerkameraden Horst Wiethoff + 17. April 1988 und Reiner Husemeier gewidmet.  
StartAm Niederrhein
Start in Soest. Am Sonntag den 28.09.1975 verabredeten sich in der Fliegerklause in Soest 3 Freunde für das kommende Wochenende zu einem Flug nach Innsbruck. Die Wetterfrösche hatten gutes Wetter prophezeit. 

Anfang Oktober ist etwa um 18:00 Uhr Sonnenuntergang und somit konnten wir bis um 18:30 Uhr in der Luft bleiben. Geplant war am Freitag um 12:00 Uhr zu starten, um das Ziel an diesem Tage noch zu erreichen. Es kam aber alles ganz anders. 

Ich war schon immer ein pünktlicher Mensch und halte Verabredungen auf die Minute ein. Anders bei meinem Freund Horst Wiethoff. Er erlaubte sich immer eine große Toleranzschwelle. Also kam er nicht um 12:00 Uhr, sondern um 14:00 Uhr. Reiner Husemeier lag immer zeitlich dazwischen. Beiden konnte man nicht böse sein, Horst grinste über das ganze Gesicht: „Wartest du schon lange?“ Naja, was sollte man dazu sagen. Ich hatte das Flugzeug bereit gestellt und nach Erledigung der Formalitäten konnte es um 14:50 Uhr losgehen. Wir meldeten uns bei unseren Engländern ab. 

Aufgrund der guten Wettervorhersagen war geplant, mit einem Tankstopp bis Innsbruck zu fliegen. Die beiden Kameraden hatten durch ihr spätes Erscheinen den Direktflug unmöglich gemacht, aber viel schlimmer war das äußerst miese Wetter. Wir mussten zunächst weit nach Westen ausholen und dann in Höhe Köln den Rhein entlang weiter nach Süden. Kommentar von Horst: „Das ist ein Wetter, bei dem die Spatzen zufuß gehen!“ Reiner hatte meinen Fotoapparat und 3 Filme und knipste drauflos. 

Der einzige Flugplatz auf dem Kurs, der in die neue Flugplanung passte, war Bad Dürkheim. Ich konnte den Platz nicht erkennen, erst beim Überflug tauchte er plötzlich auf. Enge Kurven und gleich runter. Eine Minute vorher meldete der Tower: „Ich sehe sie nicht, aber ich höre sie!“ Als ich die Landebahn anflog, rief er aufgeregt: „Ja, ja, jetzt, jetzt sehe ich sie!“ Abenteuer pur.
Die Sicht wurde......von Minute zu Minute......schlechter.
Flugplatz MönchengladbachFlugplatz Mönchsheide
Mit unseren Segelflugfreunden-Mönchsheide nahmen wir Funkkontakt auf und versprachen, uns in Kürze einmal wieder sehen zu lassen. Am 15.11.1975 lösten wir unser Versprechen ein. 



Endlich in Bad Dürkheim gelandet......packten wir... ...unser Sturmgepäck aus...
...und Horst......machte sich......landfein.
Lebenshilfe Bad Dürkheim. Bei der Gründung der Lebenshilfe hatte wohl niemand daran gedacht, dass eine Mitarbeiterin der Einrichtung einmal 3 Piloten aus der Not helfen würden. Wir waren aufgrund der schlechten Wetterlage gezwungen, in Bad Dürkheim einen ungeplanten Zwischenstopp einzulegen. 

An diesem Tag hatte eine Betreuerin der Lebenshilfe Bad Dürkheim einige ihrer Schützlinge den Flugbetrieb zeigen wollen. Sie standen auf dem Vorfeld und wollten startende und landende Flugzeuge beobachten, aber auch ihnen hatte das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es war an diesem Nachmittag nichts los auf dem kleinen Flugplatz, bis wir plötzlich am verregneten Himmel auftauchten. Nach der Landung wurden wir gleich umringt und mit vielen Fragen konfrontiert.  

Nachdem wir brav und ausführlich über die Fliegerei Auskunft gegeben hatten, fragten wir die Betreuerin, wo wir denn wohl in Bad Dürkheim übernachten könnten. Es war Weinfest und die Chancen standen schlecht für uns, aber wir durften mit in ihren Ford-Transit Reisebus steigen und in die Stadt fahren. Großes “Hallo“ bei den Kindern, als wir uns zu ihnen in die Sitze quetschten. Ich sehe heute noch oft das fröhliche Lachen in ihren Gesichtern.  

Die hübsche schwarzhaarige Betreuerin kannte eine kleine Pension, bei der sie für uns nachfragen wollte. Tatsächlich, es gab noch ein Zimmer mit 3 Betten. Wir bedankten uns, tauschten Telefonnummern aus und versprachen bei Gelegenheit mal wieder vorbeizuschauen. 

Aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit habe ich mich noch einige Male in der Einrichtung auf einen Kaffee mit den Kindern und der Betreuerin getroffen. Die Kinder freuten sich immer riesig, wenn sie mich sahen, vor allen Dingen dann, wenn ich kleine Aufmerksamkeiten mitbrachte. Ich bekam dadurch einen Einblick in die Arbeit solcher Einrichtungen und ziehe heute noch meinen Hut vor den Leistungen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  

1978 wechselte ich meinen Job und diese Verbindung schlief leider ein.
WurstmarktWeinfassKurparkhotel



Der Rheinfall......von... ...Schaffhausen
Über den Bodensee......nach Friedrichshafen
Der Flugplatz in Sicht......und ab......in den Gegenanflug
Im Landeanflug auf den Flugplatz Friedrichshafen
Tanken, die Landegebühr bezahlen... ...und dann geht es auch gleich weiter... ...nach Kempten-Durach.



Die Sicht wurde......kurz vor Kempten besser.
Der höchste... ...Flugplatz......in Deutschland




Auf wiedersehen FriedrichshafenSchwäbische AlpRichtung Innsbruck
Ein überwältigendes Erlebnis......den Bergen......so nah zu sein.
Die Abendsonne genießen......und nun runter nach Innsbruck
Links der InnTolles PanoramaGlückliche Landung
Ich habe es geschafft, Verkehrsflughafen InnsbruckNeben den Reisejets, ist unsere Regent ein Winzling
Im Gasthof "Neuwirt" wurde übernachtet. Horst Wiethoff war im Dorf seit vielen Jahren bekannt. Im Sommer machte er regelmäßig mit seiner Familie Urlaub in Tulfes. Es hatte sich herumgesprochen: "Die Herren Flieger sind wieder da!" 

Samstagabend ging es dann wieder rund beim Neuwirt. Wir erzählten haarsträubende Flugabenteuer, von denen wir selbst nicht mehr wussten, was war und was geflunkert war. Nachdem Horst erklärt hatte, wie eine gute Landung funktioniert, nahm ich ab 24:00 Uhr die Pilotenprüfungen ab. Zwei Burschen packten sich jeweils einen einheimischen "Flugschüler" an Händen und Füßen und schaukelten mit zunehmenden Schwung von EINS auf ZWEI und auf DREI ließen sie ihn dann durch die Luft sausen. Bei VIER landeten die Kandidaten auf dem großen Rundtisch und rutschte mit dem Kopf voran in den Kasten der großen Kuckucksuhr.  

Wenn es dann so richtig knallte und das Holz splitterte, war es eine gelungene Landung und auf einem Bierdeckel bescheinigte ich die bestandene Prüfung. 

Dem Wirt wurde es einmal zu bunt und er erwartete, das wir die Landeschäden beseitigten. Kein Problem, die Reste der Tür wurden mit Dachlatten zusammengenagelt und jedes Jahr von mir kontrolliert. Meinen späteren Mitfliegern zeigte ich immer wieder voller Stolz die Uhr. Aber als ich 2003 wieder einmal in Tulfes war und die Flugschäden zeigen wollte, erlebte ich eine große Enttäuschung, die Uhr war weg. Es gab einen neuen Pächter von auswärts und von den vergangenen Zeiten wusste er nichts.



Irgendwie......muß ich......aus dem Tal raus!
Noch 20 Minuten Dunst......und zwischen Ammer- Starnbergersee......wurde es besser.
AugsburgDer Flugplatz......mit Asphaltbahn
Das Wetter war am Sonntag immer noch sehr schlecht. Die Wolken lagen auf und wir warteten einige Stunden darauf, dass sich die Sonne durchsetzt. Gemäß meinem eingereichten Flugplan mussten wir spätestens um 11:00 Uhr starten oder den Flug auf Montag verschieben.  

Reiner Husemeier war Bundeswehrsoldat und in der Ausbildung zum Starfighterpilot. Er hatte schon einige Verweise für Zuspätkommen auf seinem Negativkonto. Also wagte ich die Rückreise. Der Neuwirt brachte uns mit einem uralten Bus der Österreichischen Post zum Flugplatz. Unterwegs gabelte er noch einen Einheimischen auf, den wir irgendwo wieder absetzten.

Der Fluglotse in Innsbruck wünschte wegen der Wetterlage: „Gut Holz!“  

Nach dem Start musste ich erst einmal nach Sichtflugregeln irgendwie heil über die Berge kommen. Also bestimmte Sichtweiten und entsprechende Abstände zu den Wolken einhalten. Das stellte schon ein gewisses Problem dar. Volle Tanks, 3 Personen und einiges Gepäck an Bord aber bei den Segelfliegern hatte ich gelernt enge Kurven zu fliegen und sich dabei durch ein kleines Wolkenloch hochzuschrauben.  

Über den Wolken war es wie immer schön. Die Bergmassive ragten majestätisch durch die Wolkenschicht. Bis Augsburg hatte ich klare Sicht und kaum Seitenwind.



Horrorflug nach Egelsbach. Bisher hatte ich schon einige Situationen, bei dem das Wetter nicht mehr mitspielte und ich umkehrte, oder vorsichtshalber auf dem nächstgelegenen Flugplatz landete und besseres Wetter abwartete. Beide Möglichkeiten gab es hier nicht, ich saß in der Falle, rundherum Berge, aufliegende Wolken und kein Ausweichflugplatz in der Nähe. Zudem war das Flugzeug nicht für IFR (Blindflug) eingerichtet. 

Höher als 300 m über Grund konnte ich nicht fliegen, also blieb ich in der Höhe und kreiste solange, bis Horst oder Reiner wieder eine helle Stelle am Horizont sahen. Oft war die Lichtung schon wieder zu, bis ich mich herangetastet hatte, aber manchmal konnte ich ins nächste Tal schlüpfen und das Spiel wiederholte sich. Irgendwann war ich aus dem bergischen Gebiet heraus und stieg durch ein Wolkenloch und entspannte mich in der sicheren Höhe erst einmal etwas, ohne zu wissen, wo ich mich befand. 

Ich hatte schon eine Ahnung, dass wir im Gebiet des Frankfurter Flughafen waren. Plötzlich entdeckte ich die rotweißen Funkmasten in der Nähe der Autobahn. Also ab sofort Funkstille und nichts wie weg. Ich konnte mich wieder orientieren und machte mich auf den Weg nach Egelsbach. Reiner fotografierte fleißig weiter. 

Als ich mit den Rädern in Egelsbach aufsetzte, fiel eine Last von mir. Einen derartigen Flug habe ich nicht mehr erlebt, weil ich mich aus dieser Erfahrung heraus nie wieder gegen meinen Willen zu solchen Kapriolen hinreißen ließ. 

An der Flugplatztankstelle erzählte mit ein IFR-Pilot, der im Instrumentenflug durch das trübe Wetter geflogen war: „Stellen sie sich einmal vor, da habe ich eben im Dunst, bei beinahe Null-Sicht ein Flugzeug genau wie das ihre rumkurven gesehen!“ Ich tat erstaunt: „Das gibt es doch nicht!“ Telefonisch meldeten wir uns in Soest an, man möge auf uns warten.   



Nachtjäger. Nach unserem Horrorflug nach Egelsbach waren wir nun auf dem Weg nach Soest. Die Wolken hatten sich aus den niedrigen Höhen verzogen, aber sie waren so dicht und derart dunkel, dass es ab 16:00 finster wurde. Als ich den Fernsehturm bei Siegen überflog, entwickelten sich schon heimische Gefühle.  

Ich orientierte mich bei der Dunkelheit vorsichtshalber auf den Flugplatz Arnsberg, weil der eine Landebahnbefeuerung hatte. Den Platz überflog ich in niedriger Höhe von Südwest her und brauchte nun nur noch gerade weiter zu fliegen, um über den Möhnesee nach Soest zu kommen. Die Arnsberger hatten schon Feierabend gemacht, erschrocken über meinen Überflug, schalteten sie sofort die Landebahnbefeuerung an. Nun wusste ich, das war Arnsberg.   

Es wurde dunkler und dunkler und ich machte mir Gedanken darüber, wie ich in Soest heile herunter kommen sollte. Die Klubkameraden hatten mitgedacht und entlang der Piste ihre Autos mit Fernlicht aufgestellt. So als ob ich meine Leben lang nichts anderes gemacht hätte, klappte die Landung großartig. 

Stolz bin ich auf meine Leistungen bei diesem Flug, aber nicht stolz bin ich darauf, dass ich mich dazu hinreißen ließ, mich und andere in eine derartige Gefahr zu begeben.