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Der Prozess Teil I
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Eine Pressemeldung: Nach mehr als 14 Jahren hat die zuständige Polizei den mysteriösen Tod einer Frau aufgeklärt. Die 36-jährige war ein Jahr nach ihrem Verschwinden tot in einem Waldstück im westfälischen Fröndenberg gefunden worden. Eine damals am Tatort genommene DNA-Spur führte die Beamten jetzt zu einem heute 37-jährigen. Der Mann hat inzwischen gestanden. Ein Jahr nach der Tat wurde die Leiche gefunden, 15 Jahre nach der Tat wurde der mutmaßliche Täter gefasst und ein Jahr später begann der Prozess.
Der erste Tag im Gericht: Mit Spannung wartete ich auf den ersten Auftritt des mutmaßlichen Täters. Wie sieht so ein Mensch aus, der diese scheußliche Tat gestanden hat? Wie hat er die ganzen Jahre mit der Erinnerung gelebt? Hat er jemals an die schrecklichen Minuten und an das angstverzerrte Gesicht, an ihre Schreie gedacht, oder konnte er die Gedanken daran verdrängen? Was denken seine Weggefährten und Freunde über ihn? Bereut er das Verbrechen?
Verhandlungsbeginn: Zuschauer, Staatsanwalt, Kläger und Verteidiger haben Platz genommen und im Saal lauert die Presse. Gegenüber dem Gericht ist die JVA Dortmund und von hier wird der Angeklagte während der Prozessdauer verwahrt. Zum Prozess wird er jeweils von dem Wachpersonal unterirdisch in das Gerichtsgebäude verbracht und wartet nun in einem Nebenraum hinter den Zuschauerbänken darauf, dass er in den Saal und an seinen Platz auf der Anklagebank geführt wird.  
Es ist soweit, der Angeklagte erscheint an Handschellen gefesselt im Gerichtssaal. Sah eigentlich aus wie ein Typ von nebenan. Die Haare kurz rasiert und bekleidet mit einem knallroten T-Shirt. Bevor er Platz nahm, wurde er von den Handschellen befreit und gab artig seinem Verteidiger die Hand. Das nun folgende “Blitzlichtgewitter“ war ihm sichtlich unangenehm und er wirkte eher etwas verlegen, aber schon kurz danach machte er einen gefassten Eindruck. Er hatte ja Routine in solchen Situationen, denn oft genug saß er wegen diverser Delikte auf der Anklagebank. Von nun an starrte er im Wesentlichen auf die Tischplatte vor sich. Ich hatte den Eindruck, er wollte vermeiden, dem Ehemann des Opfers in die Augen zu sehen; der saß direkt gegenüber. 

Die Tür hinter dem Richtertisch öffnet sich und herein kamen der vorsitzende Richter und 2 amtierende Richter sowie eine Schöffin und ein Schöffe. Bevor sie Platz nahmen, ließen sie sich fotografieren.  

Der Richter eröffnete das Verfahren nach den vorgeschrieben Prozederen und bat den Staatsanwalt um Verlesung der Anklage. Sinngemäß: „Dem Angeklagten wird vorgeworfen, Fr. Angelika R. ermordet zu haben, um eine Vergewaltigung zu vertuschen oder aus reiner Mordlust gehandelt zu haben.“ Auf Befragen des Richters, ob er zu der Anklage Angaben machen möchte, verneinte der  Angeklagte mit sicherer Stimme.  

Danach verlas der Richter einen Brief, den der Angeklagten 2006 nach seinem Geständnis geschrieben hatte. Sinngemäß: Er habe keinen Kontakt zu dem Opfer gehabt, es nicht vergewaltigt, niemals sexuelle Handlungen vorgenommen und nicht mit ihr geschlafen. Warum er die Tat ursprünglich zugegeben habe, kann er heute nicht mehr sagen, da er unter Drogen stand und außerdem ist sein Tag ganz anders verlaufen als er das bei der Polizei geschildert habe. Hierüber würde er gerne mit dem Richter persönlich sprechen, aber ohne Staatsanwalt.

Der Angeklagte wurde dann gefragt, ob er sich zu seinem Lebenslauf äußern wolle und ob er seine Zustimmung zu einem psychiatrischen Gutachten geben würde. Der Angeklagte verneinte. Erneut fragte der Richter, ob er sich denn zur Sache äußern wolle, der Angeklagte lehnte erneut ab. 

Der Richter sprach kurz die gefundenen DNA-Spuren an und bemerkte, dass von den Kleidungsstücken leider keine Proben entnommen wurden. Der Staatsanwalt regte an, dieses nachzuholen. Die Verhandlung wurde nach 30 Minuten geschlossen und wird am Montag, den 05.02.2007 mit Zeugenvernahmen und der Aussagen der Spurensicherung weitergeführt. 





Das Urteil lautet: „Lebenslänglich.“ Was am Tage des Todes wirklich passierte, werden wir wohl nie erfahren. Der Angeklagte
schweigt.