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Die Geschehnisse Ende März 1945 in Warstein, Suttrop und Kallenhardt habe ich erwähnt, weil ich selbst davon betroffen war. Meine Mutter musste mit meiner Schwester Monika auf dem Arm und mit mir an der Hand, zur "Abschreckung" an den ausgegrabenden vorbei gehen. Diese Art von Verbrechen geschahen zum Kriegsende im gesamten Reichsgebiet. 

Auf diesem Bild ist das Baby zu sehen, dass SS-Rottenführer Anton B. den Kopf an einem Baum zerschmettert hatte. Das ist für mich das einzige schreckliche Bild, dass mir von diesem Tag bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Bei Diskussionen in den 50er und 60er Jahren hörte ich immer von den älteren Arbeitskollegen, dass sie von all den Untaten nichts gewusst haben. Sie verleugneten selbst Geschehnisse, die in unmittelbarer Nachbarschaft passiert waren. Und von den Kriegsteilnehmern, die als Soldaten der Wehrmacht oder der Waffen-SS gedient hatten, gab es die Standardaussage, dass sie immer ehrenhafte und ritterliche Kämpfer waren und die Verbrechen an der Zivilbevölkerung allein auf das Konto der SS ging.

Das war eine große Lüge! Es ist zweifelsfrei erwiesen, dass nicht nur die SS-Schergen Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen haben. Auch die Wehrmacht und die Waffen-SS ermordeten erbarmungslos Zivilisten, brannten ihre Häuser ab und metzelten rücksichtslos Frauen und Kinder nieder. Zwar gab es die einen, die auf Befehl handelten, aber auch die anderen, die bei ihren Einsätzen ohne Notwendigkeit und aus reiner Mordlust alle niederschossen, die nicht arischer Abstammung waren.

Aber es gab nicht nur Verbrecher in Uniform, sondern auch in den 2.500 Firmen im Reich, in denen unter menschenunwürdigen Zuständen sog. Fremdarbeiter rücksichtslos ausgenutzt und zu Tode gequält wurden. Leider gehörten auch die Warsteiner-Eisenwerken zu den Firmen, die diese billigen Arbeitskräfte in Anspruch nahmen.

Schuldig machten sich auch Ärzte, Rechtsanwälte, Richter, Politiker, Polizisten usw. Ebenso gab es unter der Zivilbevölkerung Denunzianten, die sich einen persönlichen Vorteil versprachen, wenn sie andere Mitbürger ans Messer lieferten.

Ich habe dies niedergeschrieben, weil ich aufzeigen möchte, zu welchen Grausamkeiten Menschen gegenüber Menschen fähig sind und um daran zu erinnern, welche Qualen die Gepeinigten aushalten mussten, aber auch zum Gedenken an die Menschen, die trotz persönlicher Gefahr selbstlos Hilfe leisteten.

Der Vater eines Arbeitskollegen, der im normalen Arbeitsleben nie durch besondere Intelligenz oder besondere Fähigkeiten auffällig wurde, witterte nun als Vorarbeiter von diesen armen Menschen seine Chance sich gegenüber seinen Arbeitskollegen hervor zu tun.

Es war bekannt, dass er bei kleinsten Vergehen oder aus reiner Willkür die Zwangsarbeiter mit einem dicken Knüppel beinahe zu Tode prügelte. Er liebte es, wenn er bestialische Handlungen vor Arbeitskollegen wie eine Volksbelustigung vorführen konnten, Die Kollegen, die sich das Schauspiel ansehen mochten und dabei feixten, waren keinen Deut besser als der Peiniger.

Als feststand, dass der Krieg verloren war, hatte er selbst Angst um sein jämmerliches Leben und vor der Rache der Gequälten. Monatelang versteckte er sich im Wäldchen Oberhagen und wurde nachts von seiner Familie versorgt.

Ob er jemals rechtlich belangt wurde, ist mir nicht bekannt. Irgendwann wagte er sich aus seinem Versteck und verdiente fortan seinen Lebensunterhalt als Steinbrucharbeiter. Ich weiß nicht, ob es Gottes Fügung war aber es dauerte nicht lange, da wurde er tödlich von einem Steinbrocken am Kopf getroffen. Einige Warsteiner sagten: "Nun hat er seine gerechte Strafe bekommen."

Hans Kammlers Schergen

In den letzten Kriegswochen wurden die Arbeitslager aufgelöst und grundlos tausende Menschen, Männer, Frauen und Kinder ermordet und in den Wäldern verscharrt. Die Alliierten fanden auf Grund von Hinweisen aus der Bevölkerung (da wussten sie noch von den Grausamkeiten) diese Mordstätten. Beispielsweise zwischen Kallenhardt und Suttrop und im Langenbachtal in Warstein. Nachdem man die Leichen ausgegraben hatte, musste die gesamte Bevölkerung auch wir Kinder uns das ansehen, was da im “Namen des Volkes“ geschehen war.
Nur mal so, um ein Exempel zu statuieren.Der mordlustige Kammler war sehr umtriebig
Bis heute habe ich kann die geöffneten Augen eines Mädchen in meinem Alter nicht vergessen. Meine Mutter zog mich weg aber ich konnte nicht wegschauen und werde den flehenden Blick niemals vergessen.
(1) Wolfgang W., Lüneburg (2) Johannes M., Eckernförde (3) Bernhard A., Kassel (4) Helmut G., Mölln (5) Heinz Z., Unna (6) Ernst-Moritz K., Dortmund

Sie waren angeklagt, in der Zeit vom 20. bis 23. März 1945 durch mehrere selbständige Handlungen an der Ermordung von insgesamt 208 russischen Fremdarbeitern (Männern, Frauen und Kindern) beteiligt gewesen zu sein.

Frühjahr 1945, als sich vom Westen her die deutschen Truppen vor den nachdrängenden Amerikanern zurückzogen, befanden sich auch zahlreiche Fremdarbeitertrupps auf dem Marsch nach Osten. Soweit sie durch Warstein und Suttrop kamen, wurden sie dort vorübergehend in Behelfslagern untergebracht und versorgt. Ende März 1945 hielten sich in der Schule in Suttrop und in der Schützenhalle in Warstein über 1.000 Fremdarbeiter (Männer, Frauen und Kinder) auf.

Ebenfalls auf der Flucht vor den Alliierten SS-Obergruppenführer Hans Kammler (am 09. Mai 1945 verübte er angeblich Suizid in einem Wald bei Prag) mit seinem Stab in die Nähe von Warstein. Im Arnsberger Wald, Warstein und Suttrop ließ Kammler bei drei Erschießungsaktionen vom 21. bis zum 23. März 1945 wahllos 208 Angehörige dieser Fremdarbeiter, darunter Frauen und Kinder, erschießen, weil sie angeblich Ausschreitungen begangen hätten.

Am 20. März 1945 suchten der SS-Obersturmbannführer Wolfgang W. und der Panzerhauptmann Ernst–Moritz K. im Langenbachtal einen Platz, der ihnen geeignet erschien, eine größere Anzahl von Menschen heimtückisch und grausam zu töten. In den Abendstunden des 21. März 1945, setzten sie ihr Vorhaben in die Tat um und erschossen insgesamt 14 Männer, 56 Frauen und ein Kind. Die Leichen wurden verscharrt.

Im Dunkel der Nacht zum 21. März 1945 mussten sich alle Fremdarbeiter, die in der Suttroper Schule untergebracht waren (35 Männer, 21 Frauen und ein Kind) auf dem Schulhof zum Abtransport versammeln. Sie ahnten nicht, dass sie in den Tod fuhren.

Augenzeuge des Massakers, das unweit des Ortes veranstaltet wurde, war der damalige SS-Untersturmführer Heinz Z.. Obwohl Heinz Z selbst nicht zu der Henkermannschaft gehörte, beteiligte auch er sich an der Ausführung des Befehls.

Aus der letzten Männergruppe, die erschossen wurden, löste sich ein Mann und lief auf Heinz Z zu. Der ließ ihn auf wenige Meter herankommen und feuerte dann aus seiner Pistole mehrere tödliche Schüsse auf ihn ab.

Als Heinz Z. die Stätte des Todes nach vollbrachter Tat verlassen wollte, erfuhr er von Angehörigen des Exekutionskommandos, dass die Soldaten es nicht über das Herz gebracht hatten, das einzige Kind des Transportes umzubringen. Sie waren unschlüssig, was mit ihm geschehen sollte und wollten es nicht töten. Der SS-Rottenführer Anton B. erklärte sich freiwillig zur Tötung bereit. Anton B. konnte bis zum Prozessbeginn nicht ermittelt werden. Als die Leiche des Kindes wenige Wochen später ausgegraben wurde, zeigten deutliche Spuren, dass der Kopf an einem Baum zerschmettert worden war.

Auch in Warstein war Kammlers Mordbefehl befolgt worden. Dienstbeflissen nahm der SS-Obersturmbannführer Wolfgang W. die Regie des Unternehmens in die Hand. Ein Erschießungskommando wurde zusammengestellt.

Wolfgang W. hatte einen freiwilligen Helfer. Es war der von der Heimatfront unabkömmliche Panzerhauptmann Ernst-Moritz K., der sich mit seinen Eltern aus dem bombengefährdeten Dortmund abgesetzt hatte und von einem Warsteiner Landhaus aus die Geschicke des Familienunternehmens lenkte. Zur Zeit des Prozesses wohnte die Mutter von Ernst-Moritz K. noch in der Warsteiner Villa. Aus Scham über ihren Sohn verkaufte sie das Anwesen und zog weg von Warstein.

Wolfgang WBernhard A. und Ernst-Moritz K. wählten die Gruppe der Delinquenten aus. Sie gingen zur Warsteiner Schützenhalle, wo 800 Fremdarbeiter zusammengepfercht hausten und ließen durch eine Dolmetscherin Freiwillige suchen, die in ein besseres Lager überwechseln sollten. Es meldeten sich 14 Männer und 56 Frauen. Eine von ihnen hatte ein etwa einjähriges Kind bei sich.

An der ausgewählten Stelle im Langenbachtal wurden sie alle durch Genickschuss getötet. Die Aufsicht führten Wolfgang W. und Ernst-Moritz K. Bernhard A. hatte jeweils den Tod festzustellen. Einem Mädchen, das noch Lebenszeichen von sich gab und aufzustehen versuchte, gab er mit einer Pistolenkugel den “Gnadenschuss“.

Weitere 80 Männer aus dem Fremdarbeiterlager in der Warsteiner Schützenhalle wurden in der Nacht zum 23. März 1945 erschossen. Diesmal war es der Ia-Offizier der Division, SS-Sturmbannführer Johannes M, der den Befehl seines Kommandeurs an den Oberleutnant und Waffenoffzier der Division Helmut G, weitergab.
Gequält bis zum TodEin Erinnerungsfoto für die HeimatDie Geschundenen
Als die Staatsanwaltschaft Arnsberg 1953 anfing das Massaker zu untersuchen, waren die Henker längst ins bürgerliche Leben zurückgekehrt.

Assessor Wolfgang W. (SS-Obersturmbannführer)

Justitiar bei der Niedersächsischen Landeskrankenhilfe. Seit 1951 bewohnt er mit seiner Familie (Frau und drei Kinder) am Stadtrand Lüneburgs eine Siedlungswohnung. Er ist beliebt bei den Kollegen wegen seiner sachlichen, höflichen und zuvorkommenden Art.

Strafmaß: Wegen Totschlags in 151 Fällen zu fünf Jahren Gefängnis.

Regierungsassessor Johannes M. (SS-Sturmbannführer)

Verwaltungsdienst des Landes Schleswig-Holstein. Avancierte verhältnismäßig schnell und hatte gute Aussichten, Regierungsinspektor zu werden. Sein Vorgesetzter, der Rendsburger Bürgermeister Dr. Schmidt, sagt: "Er erfreute sich bei allen Mitarbeitern und Angestellten größter Beliebtheit."

Strafmaß: Freispruch

Angestellte Bernhard A., Kassel

Musterbeispiel pedantischer Pünktlichkeit und Sorgfalt. Seit Jahren in der Kasseler Hauptverwaltung der Elektrizitäts- AG Mitteldeutschland (EAM) an einer Hollerithmaschine tätig. Trotz der Anklage, die gegen ihn erhoben worden ist, blieb ihm der Arbeitsplatz erhalten.

Strafmaß: Freispruch

Gewerbeoberlehrer Helmut G., Mölln (Oberleutnant)

Kam erst 1950 erschöpft und arbeitsuntauglich aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. Sein Vater, ein pommerscher Gendarmeriemeister, war im Frühjahr 1945 von den Russen verschleppt und ermordet worden. Mit Fleiß stürzte sich der Heimkehrer auf die Ausbildung zum Gewerbeoberlehrer. Er war seit zwei Jahren im schleswig-holsteinischen Städtchen Mölln im Amt. Als er im Januar für drei Wochen verhaftet wurde, hielten seine Freunde zu ihm. Der Kreisberufschuldirektor, seine Kollegen und seine Schüler setzten sich für ihn ein, die Nachbarn schickten Blumen.

Strafmaß: Verfahrenseinstellung

Vermessungstechniker Heinz Z., Unna (SS-Untersturmführer)

Arbeitete als Bergvermessungstechniker auf der Schachtanlage Hausaden bei Oberaden im westfälischen Industriekreis Unna. Im Jargon der Kumpel war die Zeche lange ein Nazi-Pütt, weil dort viele ehemalige Nationalsozialisten beschäftigt waren. Der Betriebsratsvorsitzende über Zeuner: "Ich würde es ja lieber nicht sagen, aber er ist ein prima Kerl."

Strafmaß: Freispruch

Fabrikbesitzer Ernst-Moritz K., Dortmund (Panzerhauptmann)

Spross einer der bedeutendsten Unternehmerfamilien des Industriereviers, der aus reiner Gefälligkeit an den Mordaktionen teilnahm, trugen schon wieder die Wogen der Wirtschafts-Konjunktur.

Strafmaß: 10 Monate Gefängnis

Landgerichtsdirektor Niclas über das milde Urteil: "Man müsse die damaligen Zeiten mit anderen Maßstäben messen, ganz davon abgesehen, dass das Beweisergebnis auch dadurch eingeengt wurde, dass eigentlich nur Tatzeugen, also Mittäter, vernommen werden konnten, deren Aussagen allesamt persönlich gefärbt erschienen und deshalb an Gewicht verloren". (Wer waren diese Richter und Staatsanwälte? Wie verlief ihre berufliche Laufbahn in der NS-Zeit?)
Hier erholte sich Ernst-Moritz K. nach seinen Mordeinsätzen, in seiner in Warstein an der Mescheder Landstraße. 1972 Die Witwe K. lebte als Letzte in der Villa. 1972 verkaufte die Erbengemeinschaft für 480.000,00 DM das Anwesen (37.000 Quadratmeter).
Quellenverzeichnis:"Der Spiegel" 1957
(wird kurzfristig eingefügt)"Westfälische Rundschau"



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