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Es war mal wieder so ein stinklangweiliger Sonntagnachmittag, an dem die Familie zum 43. Geburtstag von Tante Lissi (Elisabeth Verheyden), im Plasskamp  zusammentraf. Wie üblich zu solchen Anlässen, überwiegte bei der gewählten Kleidung die Farbe schwarz und wie üblich zu solchen Anlässen gab es Bohnenkaffee und Moccatorte. Ich, gerade einmal 6 Jahre alt, spielte auf dem Hosenboden sitzend mit meinem Holzauto auf dem Fußboden und dachte missmutig an meine Freunde, die im Moment im Oberhagen herumtollen durften.

Plötzlich und für mich unerwartet, hatte sich Tante Anna (Wulf) zu mir gewendet, in der linken Hand den Kuchenteller, in der rechten Hand die Kuchengabel, mit der sie im Rhythmus ihrer Aussprache auf mich zeigte. Sie schaute auf mich herunter und ich wusste, dass sie mir eine wichtige aber vielleicht auch peinliche Frage stellen wollte. Sie spreizte den kleinen Finger von der Kuchengabel und ich höre sie heute noch fragen:

"Na Dieter, was möchtest du später denn einmal werden?"

Zu wissen, welchen Berufswunsch ich in  10 oder 15 Jahren haben werde, schien für die gesamte Geburtstagsgesellschaft von großem Interesse zu sein. Alle bebrillten und unbebrillten Augenpaare hatten sich der Frage angeschlossen und starrten mich an. Es herrschte absolute peinliche Stille. In dieser Zeit war ich eher noch etwas schüchtern und sammelte gerade erst die persönlichkeitsbildenden Kindheitserfahrungen, machte eigentlich immer das, wozu ich gerade Lust hatte und meine Eltern ließen das auch zu. Gedanken über meine beruflichen Werdegang lagen für mich noch in weiter Ferne. Vor mir lag die weite bunte Welt und dann eine solche Frage aber ich wusste, dass ich mich schon aus reiner Höflichkeit der Neugier stellen musste.

Als ich in die fragenden Gesichter sah, widerstrebte es mir, die erwarteten gängigen Berufe wie Schlosser, Dreher oder Schreiner aufzusagen und antwortet mit großer Selbstverständlichkeit:

"Schauspieler!"

Nachdem sich die erste Schockstarre gelöst hatte, brabbelte alle überrascht durcheinander: "Was ist, wieso denn, warum denn das?" Ich merkte wie sich ein gewisser Stolz in mir breit machte, Stolz darüber, den Erwachsenen vorgeführt zu haben, im Umgang mit Kindern etwas mehr zu nachzudenken und sie wie kleine Erwachsene zu behandeln und nicht als putzige kleine Lebewesen zu betrachten.

Schauspieler bin ich dann nicht geworden sondern tatsächlich erst einmal für den Anfang Schlosser und Technischer Zeichner.

Auf den nächsten fünf Seiten erzähle ich etwas über meine berufliche Karriere.