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2014 BAUSTELLE (weiter am 06.08.2014)
1960 zeigten sich die deutsche "Wirtschaftsweisen" noch sehr optimistisch, doch im laufenden Jahrzehnt erlebten wir mehr und mehr massive Konflikte, dass bereits 1966 die Bundesrepublik Deutschland durch sinkende Arbeitsproduktivität in einer tiefen Rezession steckte. 

Eingeläutet wurde die Misere durch die Schließung der Mauer am 13. August 1961und der daraus resultierenden Ost-West Konflikte. Die hausgemachte und die weltweite Eskalation nahmen Fahrt auf und ich habe heute noch einige Schlagworte im Ohr: Die Kuba-Krise, von der die wenigsten wussten, dass die Welt wieder einmal haarscharf an einem Weltkrieg vorbei schrammte. Ich persönlich "verdanke" der Krise eine um ein halbes Jahr verlängerte Wehrpflicht. Von der Spiegel-Affäre erfuhr ich während meiner Teilnahme an dem Großmanöver "Fallex62" und über die Studentenrevolten und dem Vietnamkrieg berichteten beinahe alle Medien täglich. 

Während in den Aufbaujahren nach dem Krieg die Industrie aus dem Boden gestampft wurde gab es keine peniblen Auflagen zum Umweltschutz. Wenn ich nach einem Verwandtenbesuch aus "Russland" (Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet) in Warstein meinen weißen Käfer wieder wusch, lief immer eine schwarzen Brühe über den hellen Lack und aus den Augen pulten wir noch die Kohlenstaubkörnchen der Kokereien. 

Aber die typische deutsche Eigenschaft begann wieder aufzuleben. Es musste eine Ordnung her! Mittelständige Betriebe, die sich mühevoll hochgearbeitet hatten, bei denen Teile des Unternehmens durch Bomben zerstört waren oder von den Besatzern als Reparationsleistung abmontiert wurden, bekamen endlich ihre Auflagen. Bei den Konzernen die schon am Krieg verdient hatten, war man großzügig mit Krediten und beharrte nicht auf schnelle Durchführung der Umweltauflagen.
WARSTEINER-EISENWERKE
1739   GründungWarstein Gruben- und Hüttenbetrieb
 1945 ein völlig veralteter Betrieb, eher eine kümmerliche Betriebsstätte nach dem Krieg in der Grauguss, Kohleöfen, Zimmeröfen, Fahrzeugachsen und Schmiedestücke hergestellt wurden. Das Unternehmen erhielt niemals ein Entschädigung für den Verlust der durch den Krieg verlorenen Werke.
RechtsformAktiengesellschaft
Beschäftigte1.064 Arbeiter und Angestellte
VorstandDr. Franz Laaf
AusichtsratProf. Dr. A. Wagner (Vorsitzender)
1794   Gründung Primkenau Gruben- und Hüttenbetrieb
Ging 1945 verloren. Damit verlor die Firmengruppe 70%Gesamtumsatz und erlitt 100% Vermögensverlust
1872   Erwerb Holzhausen Eisenwerk
Holzhausen wurde nach dem Krieg völlig demontiert und in Russland wieder aufgebaut.
In einer äußerst ungünstigen Ausgangsposition: Rezession, bescheidende Kapitaldecke und hohe Umweltauflagen, galt es nun den Betrieb dringend zu modernisieren und den Bedürfnissen am Markt anzupassen. Dazu war eine Investition in Höhe von 4,4 Mio/DM erforderlich. Ohne einen mittelfristigen Kredit nicht zu schaffen. Die Maßnahme soll sich in das Geschäftsjahr 1966/67 hineinziehen.

Die Warsteiner Eisenwerke waren gewissermaßen ein Saisonbetrieb, ein Geschäftsjahr begann beispielsweise am 01. Juli 1965 und endete am 30. Juni 1966. Mit den Arbeiten an den Modernisierungsmaßnahmen hatte man bereits vor der erwartenden Kreditzusage begonnen.

Um die Rahmenbedingungen stand es nicht zum Besten, um den Zusammenbruch des Unternehmens zu verhindern und dauerhaft Ruhe in die Finanzen zu bekommen, denn es zeichnete sich ab, dass die Massenproduktion ihren Stellenwert verlieren, und dass Innovation und Qualitätsarbeit sich durchsetzen werden. Einige kluge und vorausschauende Mitarbeiter hatten die Zeichen der Zeit bereits erkannt und arbeiteten unter Hochdruck an neuen Technologien um den Veränderungsprozess voranzutreiben. Leider war es ein Arbeiten gegen die Zeit. Deshalb kämpften Männer wie Dr. Franz Laaf und Heinrich Schulte das erforderliche Kapital zu sichern um die fördernden Maßnahmen durchführen zu können.  
27.11.1964 Eine persönliche Verhandlungen, geführt von unserem kaufmännischen Direktor Heinrich Schulte
fand im Wirtschaftministerium Düsseldorf statt, das Ministerium wurde vertreten durch die Herren Dipl. Kaufmann Quiering und Dipl. Ing. Schüten.
08.12.1964wurde daraufhin erging eine erste Kreditanfrage an die Landesbank für Westfalen
09.02.1965stellten die Warsteiner Eisenwerke also folgenden Kreditantrag
Finanzierungaus dem beantragten Kredit1,3 Mio/DM
aus Sonderkrediten (Abwasser- u. Luftreinigung)0,4 Mio/DM 
Mietfinanzierung0,3 Mio/DM
Eigenmittel     2,4 Mio/DM
Investitionssumme   4,4 Mio/DM
Sinngemäß erklärte Heinrich Schulte im Begleitschreiben:
1945 wurde bescheiden die Produktionspalette erweitert um, gusseiserne emaillierte Badewannen, Abflussrohre, Formstücke und Zimmeröfen. Durch diese Maßnahme konnte der Umsatz bis 1957 um 75% gesteigert werden. Trotz der äußerst schwierigen Ausgangslage konnten aufgrund des vielschichtigen Programms beachtliche Umsatzerfolge erzielt werden.

Der Vorstand plante, die traditionell gewachsenen Verkaufsideologien und die nicht flächendeckenden Verkaufsgebiete in Hinblick auf die zu erwartende konjunkturelle Veränderung in der Bundesrepublik entgegenzuwirken.

Leider verzeichneten die Warsteiner Eisenwerke zudem eine abschwächende Tendenz bei der bis dahin erfolgreichen Maßnahme, sich als Zulieferbetrieb vom privaten Wohnungsbaumarkt unabhängig zu machen. Trotz zwischenzeitlicher Umsatzsteigerungen fiel der Umsatzanteil 1961 von 50 auf 40%.

Die nachstehenden Produkte hatte wenig Chancen auf dem Markt. Die technischen Aus-stattungen der Produktionsstätten waren mit den Wettbewerbsbetrieben nicht vergleichbar. Lediglich die Gießerei wurde jahrelang unter der Leitung von Hr. Schmidtke modernisiert und rationalisiert und konnte mit der Konkurrenz Schritt halten und damit den Anteil an Zulieferungen für die Industrie erweitert.

Das Fertigungsprogramm umfasste 1966: Zimmeröfen 9%, Großraumöfen 3%, Werkstattöfen 16%, Kohleöfen mit Automatik 1%, Badewannen (Gusseisen) 15%, Abflussrohre (Gusseisen) 15%, Maschinenguss 20%, Gesenkschmiedeteile 5%, Achsen für LKW 12%, Bremstrommeln 2%, Industriegummiauskleidung 2%.

Beinahe jeder Betrieb erhielt für Vermögensverluste durch Kriegsfolgen entsprechende Entschädigungen. Statt einer Entschädigung wurden die Warsteiner Eisenwerke mit einer Vermögensabgabe von 1,9 Mio/DM belastet das entsprach 1952 etwa 60% des Aktienkapitals. Das hatte zur Folge, dass in den Jahren 18 namhafte Hersteller von Zimmeröfen aus einer ähnlichen Situation heraus die Produktion einstellen mussten.
Überlebenskampf
24.01.1965 Stadtdirektor Pikulik schreibt an die Landeskreditbank und befürwortet den Antrag mit Hinweis auf
die Folgen für die Umgebung durch hohe Arbeitslosigkeit.
18.03.1965 Der Amtsdirektor Rüthen schreibt an die Landeskreditbank und befürwortet den Antrag mit Hinweis
auf die Folgen für die Umgebung durch hohe Arbeitslosigkeit.
26.05.1965 Minister für Wirtschaft und Verkehr teilt den Warsteiner Eisenwerken mit, dass der Kreditantrag
abgelehnt wurde.
01.06.1965Schreiben der Landeszentralbank an die Industriebank Düsseldorf. Der Kreditantrag wurde
abgelehnt.
10.11.1966 Vorstand Dipl. Ing. Hellmuth und Heinrich Schulte führen ein Gespräch im Wirtschaftministerium
NRW mit dem Sachbearbeiter Hr. Dipl. Kaufm. Beckmann.
10.11.1966 Das Finanzamt Arnsberg erstellt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung bezüglich der Landesbürgschaft.
15.12.1966 Dir. Hellmuth und Dir. Heinrich Schulte schreiben an den Minister für Wirtschaft in NRW.
16.12.1966 Dr. Laaf und Heinrich Schulte Schreiben an Regierungspräsidenten Arnsberg und bitten um
Unterstützung beim Wirtschaftsminister.
08.08.1967Reinhold Dienst, ein Denunziant aus Büren schreibt an den Regierungspräsidenten Arnsberg
.....doch würde ich das hierfür aufgewendete Geld als verloren betrachten. Ich kenne jede einzelne Ecke der Betriebe der      Warsteiner-Eisenwerke AG und ich kenne auch deren Leistungsfähigkeit, ich kenne aber noch viel besser deren Konkurrenz und die Marktlage für die Erzeugnisse der Warsteiner Eisenwerke.

.....dann wäre es ratsam Betriebssachverständige (wie Hr. Dienst) zu befragen  und vor allen Dingen die Produktionsmittel, Maschinen usw. nach dem Stand seiner wirtschaftlichen Fertigung zu überprüfen. 

.....ich bin überzeugt, dass wahrscheinlich die Abteilung Hartgummierung noch lebensfähig zu halten ist, alles andere wurde seit langen von der Konkurrenz überrollt. Staatsgelder, d.h. Steuergelder einzuschießen hieße Wasser in ein Fass ohne Boden zu schütten.

Ich bitte sie um Rückantwort und grüße Sie

Hochachtungsvoll R.Dienst


Was hat diesen Mensch motiviert, einen solchen Brief zu schreiben mit dem Wille 1064 unbeteiligten Angestellten, Arbeitern und deren Familien zu schaden. Wollte er Macht ausüben? Ist wohl eher ein Fall für einen Psychiater.
14.08.1967 Der Regierungspräsident antwortet schriftlich, dass er zuständigkeitshalber sein Schreiben an den
Wirtschaftsminister weitergeleitet hat. Dieser teilt Reinold Dienst mit, dass für die Warsteiner Eisenwerke keine Staatsgelder eingesetzt werden sondern lediglich Bankkredite
25.09.1967 Unternehmer Heinrich Steinbrecher bekundet Kaufinteresse am dem Werk Eisenhammer
und bietet 800.000 DM für den Erwerb an.
Wirtschaftminister Schiller erklärte 1966: In einer Rezession ist es die Aufgabe des Staates, die Wirtschaft mit Konjunktur fördernden Maßnahmen wie Steuersenkungen oder öffentlichen Aufträgen wieder anzukurbeln. Die Rezession der Jahre 1966-67 ist Anlass für das von Schiller initiierte Stabilitätsgesetz, das die Förderung der Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums mit dem Instrumenten der Konjunktursteuerung erreichen soll.

Eines der Instrumente von Schillers wirtschaftspolitischer Konzeption ist die "Konzertierte Aktion", eine informelle Gesprächsrunde, bei der Vertreter von Regierung, Unternehmen, Gewerkschaften, Bundesbank und Wissenschaft zusammenkommen, um ihr Handeln in der Wirtschafts- und Sozialpolitik abzustimmen und um die Rezession zu bekämpfen.

Für die Warsteiner Eisenwerke war es nach über 200 Jahren Existenz zu spät für diese Stabilisierungs-versprechen
1969-1970 Geschäftsbericht