HOME
MEINE SCHMALFILME
MEINE VIDEOFILME
FAMILIENCHRONIK
LEBEN IN CASTROP
LEBEN IN KALLENHARDT
LEBEN IN SUTTROP
LEBEN IN WARSTEIN
LEBEN IN WALTROP
JAHRGANG 1941
ELTERN
KRIEGSVERBRECHEN
MEINE 5 JOBS
WARSTEINER-EISENWERKE < 1.0
UNIBAU-BRILON < 2.0
Saturn-Werbeagentur
Nortex-Steinwerke
Briloner-Vertrieb
Jagd im Oberwald
Fete in der Jagdhütte
Dies und Das
Produktion
KENNGOTT-HEILBRONN < 3.0
 KESTING-LÜNEN < 4.0
THYSSEN - PLETTAC < 5.0
BUNDESWEHR
SELLERISMUS
UNTERWEGS
FLIEGEREI
BENZIN IM BLUT
TANZSCHULE
VERMISST
AUGENBLICK MAL...
THOMAS  GODOJ
GÄSTEBUCH
LESERBRIEFE
 IMPRESSUM




Ich kannte bis dahin nur die Buchhaltung der Warsteiner Eisenwerke mit ihren alten und steifen Strukturen. Friedhelm war anders. Er wirkte immer freundlich souverän. Statt Mahnungen zu verschicken, war es ihm ein besonderes Anliegen, die Kunden persönlich auf den Zahlungsrückstand aufmerksam zu machen. Meist begann er sein Telefonat mit den Worten: "Herr Sowieso es tut mir leid, aber wir brauchen mal wieder dringend Geld...." Es entspann sich immer ein drehbuchreifer Dialog. Zu 90% erreichte er sein Ziel, den Geldumlauf in Fluss zu halten. Sollte einmal die Monatsbilanz um einen Pfennig nicht aufgehen, dann dachte er rationell und buchte einfach aus. So wie ich das von der "Hütte" kannte, stellten die Buchhaltungsleiter mit großem Aufwand an Personalstunden den Laden auf den Kopf und gaben nicht eher Ruhe, bis der Pfennig gefunden wurde. Auch sonst war er eine besondere Type. Auf der gemeinsamen Hochzeit der Brüder Kurt und Manfred Schulte waren wir gerade in bester Feierlaune, als sich Friedhelm zu uns gesellte und so ganz nebenbei zu Kurt sagte: "Ach Herr Schulte, was ich noch sagen wollte, ich kündige zum nächsten Termin und mache mich selbstständig." Wir haben weiterhin Kontakt und sehen uns mindestens einmal im Jahr.






Die Schulte Brü29.08.1972 Die Schulte Brüder wollten 1967 einen Konstrukteur. Also sah ich für die nächsten Jahre meine Aufgabe darin, die bestehenden Produkte auf den aktuellen technischen und wirtschaftlichen Stand zu bringen und neue Produkte hochwertig zu entwickeln. Beide Parteien hatten keine Vorahnung, dass sich unser Zusammenleben in den folgenden Jahren völlig anders entwickeln sollte. Mit der Bauerweiterungsmaßnahme “Holzbau“ wurde die erste Weiche in eine weiteres Aufgabenfeld gestellt. 

Der Neubau einer Fertigungshalle zur Herstellung von Treppenstufen war dringend erforderlich. Mit dringend war sofort gemeint, aber dem schnellen Handeln standen die üblichen vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Baugenehmigungsverfahren mit beinahe unerfüllbaren Auflagen breitbeinig im Wege. Aber wir hatten einen guten Trumpf: Neue Arbeitsplätze in der damals bereits beginnenden Wirtschaftskrise. Ich sagte ganz beiläufig: „Man müsste zaubern können und die neue Produktionshalle müsste morgen da stehen und 30 Leute darin arbeiten.“ Bruno nahm den Faden auf und meinte, wir sollten einmal darüber reden. In solchen Fällen fuhren wir in das Walddörfchen Esshoff, stellten die Autos ab und berieten uns bei einem Waldspaziergang. Ergebnis dieser Freiluftbesprechung fasste Kurt so zusammen: „Also Sie (Ich) machen dass, heimlich und schnell bauen und wir halten uns aus den bekannten Gründen heraus.“ Da war es wieder: „Aus den bekannten Gründen!“ Immer dann, wenn es darum ging, beide aus der Schusslinie zu nehmen, geschah es aus den bekannten Gründen. Ich habe nie erfahren, was denn eigentlich die bekannten Gründe waren. Mit Bruno plante ich die Anordnung und Größe der Halle, ließ innerhalb einer Woche von einem anerkannten Ingenieurbüro eine ordentliche Bau-, Elektro- und Brandschutzplanung durchführen und dann ging es schon am 06.10.1972 mit den Tiefbauarbeiten durch die Firma Dickel los. Alle uns zur Verfügung stehenden LKW wurde wie im Wilden Westen als Sichtschutz zu einer Wagenburg auf dem Schieferberg aufgefahren. So entstand unbemerkt die neue Halle. Innerhalb von zwei Wochen stellte ich etwa ein Dutzend neue Arbeitskräfte ein, kaufte von der Firma Kuper Rietberg (Hr. Trepper) einige Holzbearbeitungsmaschinen und lies sie installieren. Als die Maschinerie richtig rund lief, entfernten wir die Fahrzeuge und warteten auf die Dinge die da kommen werden. 

05.12.1972 Anruf von Kurt Schulte. Er teilte mir mit, dass sie eine Vorladung vom Bauordnungsamt Brilon (Hr. Martini) bekommen hätten, weil sie ohne Baugenehmigung eine Halle auf dem Schieferberg gebaut hätten. „Wir können da aus den bekannten Gründen nicht hin, können sie das für uns erledigen?“ So wurde ich gleich für alle weiteren Fälle, in denen ich die beide Brüder aus den bekannten Gründen vertreten würde, vorsorglich zum “Persönlich Bevollmächtigten der Gebrüder Kurt und Bruno Schulte“ befördert. Donnerwetter, was für eine Berufsbezeichnung! Rechtsanwalt Werner Neuhäuser fixierte eine Urkunde und die Druckerei Weyers, Brilon druckte neue Visitenkarten im s.g. Schweißdruck.  

So gerüstet, vereinbarte ich zum 06.02.1973 – 11:00 Uhr einen Termin mit Herrn Hädicke im Kreisbauamt. Eingeladen waren weiterhin die Herren Klüber, Jost und Martini. Da ich nie gelernt hatte, vor der s.g. Obrigkeiten übermäßigen Respekt zu haben, machte ich mich frohen Mutes “Ich werde das Kind schon schaukeln“ auf den Weg in das Rathaus Brilon. Auf meinem Beifahrersitz kullerte auf der Hinfahrt ein schöner Braeburn hin und her. Eigentlich wollte ich ihn auf der Rückfahrt essen, aber beim Aussteigen auf dem Parkplatz vor dem Bauamt konnte ich es mir nicht verkneifen, einmal hinein zu beißen. Wie das so ist, wenn man erst einmal anfängt. Ich nahm also meinen Apfel mit und an der Tür vor dem Sitzungssaal angekommen war nur noch der “Nürsel“ übrig und ich suchte noch krampfhaft nach einem Abfalleimer als die Tür aufging und Herr Hädicke mich fragte: „Sind sie Herr Gerstenköper?“ Ich bejahte und er wollte mir die Hand geben. Links meine Unterlagen und rechts den “Nürsel“ – wie sollte das gehen? Als ich noch unschlüssig im Türrahmen stand, riss spontan Herr Jost ein Blatt von seinem Notizblock ab und ich wickelte mein Problem ein. Mangels Abfalleimer legte ich es auf meinen zugewiesenen Tischbereich. Nach den üblichen Vorstellungsfloskeln begann Herr Martini: „Wir haben den Hinweis bekommen, dass Sie ohne Genehmigung eine Fertigungshalle auf dem Schieferberg in Antfeld gebaut haben.“ Zum Beweis legte er mir zwei Polaroidbilder vor. Absichtlich oder versehentlich verdeckte er das Anzeigeschreiben nicht und ich konnte aufgrund der ständigen Zusammenarbeit mit der Druckerei Weyers “über Kopf“ genauso schnell lesen wie aus der Normalposition. Es war der missgünstige Mitbürger (Berthold K.) aus dem Oberdorf gegenüber der Gaststätte Sommer.  

Das Gremium erwartete nun von mir eine Äußerung zur Sache. Es war mir klar, dass eine gestammelte Schlingerpartie mit vielen “Wenn und Aber“ mir nicht weiterhelfen würde. Aus einer plötzlichen Eingebung heraus erklärte ich, dass die dringende Erweiterung nur eine Übergangslösung von einem neu zu bauenden Werk sei. Die Geschäfte liefen hervorragend, so dass wir in absehbarer Zeit an die Stadt wegen eines geeigneten Grundstücks herantreten werden. Nach einer drei Stunden war die Sitzung beendet und man erklärte mir, dass sich die Stadt Brilon zu dem Vorgang schnellstmöglich äußern würde. Schnellst möglich? Wir hörten vier Monate nichts zu dem Thema. Inzwischen hatten wir noch eine kleine Halle, unbemerkt von unserem Denunzianten an die noch nicht genehmigte Halle eine weitere nicht genehmigte Halle angebaut. Mit Schreiben vom 27.06.1973 lud mich das Kreishochbauamt zu einer Sitzung um 08:30 Uhr ein. Ich hatte gerade das Schreiben gelesen als Hr. Bertz bei meiner Sekretären Gudrun Vollenberg anrief und fragte ob es in meinen Terminkalender passt, wenn wir den Termin auf den 28.06.1973 um die gleiche Zeit verschieben.  

Der Termin begann um 09:30 Uhr und endete um 14:30 Uhr. Wir kamen mit einem blauen Auge davon. 6.900,00 DM Ordnungsstrafe und der Hallenbau wurde zunächst für eine Laufzeit von drei Jahren genehmigt. Es blieb alles wie es war und niemals wieder hat jemand nachgefragt. Ich telefonierte mit Bruno Schulte und setzte ihn von dem Ergebnis in Kenntnis. Sein Kommentar: „ Haste gut gemacht.“ Von da ab saß ich beinahe jedes Jahr einmal im Kreishochbauamt Brilon und wurde zu Ordnungsstrafen verdonnert, die Peanuts waren im Vergleich zu dem erzielten wirtschaftlichen Vorteil. Für die Stadt war das beinahe eine regemäßig einplanbare Einnahmequelle.  

Als ich zurück nach Antfeld in mein Büro kam, lag auf meinem Schreibtisch ein Zettel: “Wir warten bei Stockhausen auf Dich.“     der wollten einen Konstrukteur. Also sah ich für die nächsten Jahre meine Aufgabe darin, die bestehenden Produkte auf den aktuellen technischen und wirtschaftlichen Stand zu bringen und neue Produkte hochwertig zu entwickeln. Beide Parteien hatten keine Vorahnung, dass sich unser Zusammenleben in den folgenden Jahren völlig anders entwickeln sollte. Mit der Bauerweiterungsmaßnahme “Holzbau“ wurde die erste Weiche in eine weiteres Aufgabenfeld gestellt. 

1973 Der Neubau einer Fertigungshalle zur Herstellung von Treppenstufen war dringend erforderlich. Mit dringend war sofort gemeint, aber dem schnellen Handeln standen die üblichen vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Baugenehmigungsverfahren mit beinahe unerfüllbaren Auflagen breitbeinig im Wege. Aber wir hatten einen guten Trumpf: Neue Arbeitsplätze in der damals bereits beginnenden Wirtschaftskrise. Ich sagte ganz beiläufig: „Man müsste zaubern können und die neue Produktionshalle müsste morgen da stehen und 30 Leute darin arbeiten.“ Bruno nahm den Faden auf und meinte, wir sollten einmal darüber reden. In solchen Fällen fuhren wir in das Walddörfchen Esshoff, stellten die Autos ab und berieten uns bei einem Waldspaziergang. Ergebnis dieser Freiluftbesprechung fasste Kurt so zusammen: „Also Sie (Ich) machen dass, heimlich und schnell bauen und wir halten uns aus den bekannten Gründen heraus.“ Da war es wieder: „Aus den bekannten Gründen!“ Immer dann, wenn es darum ging, beide aus der Schusslinie zu nehmen, geschah es aus den bekannten Gründen. Ich habe nie erfahren, was denn eigentlich die bekannten Gründe waren.

Mit Bruno plante ich die Anordnung und Größe der Halle, ließ innerhalb einer Woche von einem anerkannten Ingenieurbüro eine ordentliche Bau-, Elektro- und Brandschutzplanung durchführen und dann ging es auch schon los. Alle uns zur Verfügung stehenden LKW wurde wie im Wilden Westen als Sichtschutz zu einer Wagenburg auf dem Schieferberg aufgefahren. So entstand unbemerkt die neue Halle. Innerhalb von zwei Wochen stellte ich etwa ein Dutzend neue Arbeitskräfte ein, kaufte von der Firma Kuper Rietberg (Hr. Trepper) einige Holzbearbeitungsmaschinen und lies sie installieren. Als die Maschinerie richtig rund lief, entfernten wir die Fahrzeuge und warteten auf die Dinge die da kommen werden.  

Ich musste nicht lange warten. Kurt rief morgens an und teilte mir mit, dass sie eine Vorladung vom Bauordnungsamt Brilon (Hr. Martini) bekommen hätten, weil sie ohne Baugenehmigung eine Halle auf dem Schieferberg gebaut hätten. „Wir können da aus den bekannten Gründen nicht hin, das müssen sie für uns erledigen.“ So wurde für alle weiteren Fälle, in denen ich beide Brüder aus den bekannten Gründen vertreten würde, vorsorglich zum “Persönlich Bevollmächtigten der Gebrüder Kurt und Bruno Schulte“. Rechtsanwalt und Notar Werner Neuhäuser fixierte eine Urkunde und die Druckerei Weyers, Brilon druckte über Nacht neue Visitenkarten. 

Ich vereinbarte einen Termin im Büro des Herrn Hädicke im Kreisbauamt. Eingeladen waren weiterhin die Herren Klüber, Jost, Hädicke und Martini. Da ich nie gelernt hatte, vor der s.g. Obrigkeiten übermäßigen Respekt zu haben, machte ich mich am 27. Juni 1973 frohen Mutes “Ich werde das Kind schon schaukeln“ auf den Weg zum Kreisbauamut Brilon. Auf meinem Beifahrersitz kullerte auf der Hinfahrt ein schöner Braeburn hin und her. Eigentlich wollte ich ihn auf der Rückfahrt essen, aber beim Aussteigen auf dem Parkplatz vor dem Bauamt konnte ich es mir nicht verkneifen, einmal hinein zu beißen. Wie das so ist, wenn man erst einmal anfängt. Ich nahm also meinen Apfel mit und an der Tür vor dem Sitzungssaal angekommen war nur noch der “Nürsel“ übrig und ich suchte noch krampfhaft nach einem Abfalleimer als um Punkt 9:00 Uhr die Tür aufging und Herr Hädicke mich fragte: „Sind sie Herr Gerstenköper?“ Ich bejahte und er wollte mir die Hand geben. Links meine Unterlagen und rechts den “Nürsel“ – wie sollte das gehen? Als ich noch unschlüssig im Türrahmen stand, riss spontan Herr Jost ein Blatt von seinem Notizblock ab und ich wickelte mein Problem ein. Mangels Abfalleimer legte ich es auf meinen zugewiesenen Tischbereich.  

Nach den üblichen Vorstellungsfloskeln begann Herr Martini: „Wir haben den Hinweis bekommen, dass Sie ohne Genehmigung eine Fertigungshalle auf dem Schieferberg in Antfeld gebaut haben.“ Zum Beweis legte er mir 2 Polaroidbilder vor. Absichtlich oder versehentlich verdeckte er das Anzeigeschreiben nicht und ich konnte aufgrund der ständigen Zusammenarbeit mit der Druckerei Weyers “über Kopf“ genauso schnell lesen wie aus der Normalposition. Es war der missgünstige Nachbar aus dem Oberdorf 10 gegenüber der Gaststätte Sommer. 

Das Gremium erwartete nun von mir eine Äußerung zur Sache. Es war mir klar, dass eine gestammelte Schlingerpartie mit vielen “Wenn und Aber“ mir nicht weiterhelfen würde. Aus einer plötzlichen Eingebung heraus erklärte ich, dass die dringende Erweiterung nur eine Übergangslösung von einem neu zu bauenden Werk sei. Die Geschäfte liefen hervorragend, so dass wir in absehbarer Zeit an die Stadt wegen eines geeigneten Grundstücks herantreten werden. Das saß! Wir wurden zu 6.900,00 DM Ordnungsstrafe verdonnert und alles konnte so bleiben wie es war und wir beantragten den Bau im Nachhinein. Von da ab saß ich beinahe jedes Jahr einmal im Bauamt Brilon und wurde zu Ordnungsstrafen verdonnert, die Peanuts waren im Vergleich zu dem erzielten wirtschaftlichen Vorteil. Für die Stadt war das beinahe eine regemäßig einplanbare Einnahmequelle. Als ich zurück nach Antfeld kam, lag auf meinem Schreibtisch ein Zettel: “Wir sind bei Stockhausen.“