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14:25 Uhr der Hubschrauber schwebt ein.Zwei FliegerLorenz Kesting u. Paul Schalla (Polizeipräs. DO)
Anruf von Lorenz Kesting: "Ihr habt doch Steinbrüche in Warstein, können wir da mal zum Tontaubenschießen kommen?" Da ich den alten Herrn Risse (Steinbruchbesitzer) gut kannte, war er damit einverstanden und so konnte am 02.09.1989 - 14:30 Uhr die Ballerei losgehen.
Links Risse jun.Links Hr. Ziegler, der Pilot.Lorenz legt an
Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Kesting-Bauunternehmung, war es unerlässlich, dass mir bei meinen Besuchen in der Hauptverwaltung Brambauer, eines Tages auch einmal Lorenz Kesting begegnet. So war es dann auch. Ich hatte ein Gespräch mit dem Einkäufer Uli Erpelding, als Lorenz Kesting die Nase durch die Tür steckte  und eine kurze Frage stellte. Sah mich danach fragend an, worauf ich mich vorstellte. Als er den Namen Kenngott hörte, setzte er sich zu uns und erzählte, dass Hans Kenngott vor Jahren sein Praktikum für de Ausbildung zum Steinmetzmeister in seiner Firma gemacht hätte. Er ließ sich meine Visitenkarte geben und verschwand weder.

Wenige Wochen später rief er mich in meinem Büro in Unna an und lud mich auf einen Samstag um 9:00 Uhr zum Frühstück in sein Privathaus in Eving ein. Er erzählte mir von seinen unternehmerischen Plänen und das Frühstück zog sich bis zum Mittag hin. Er sprach auch von der Entwicklung eines Leichtbetons in Verbindung mit Styroporkügelchen. Mein technisches Interesse an dieser Sache und meine Diskussionsbeiträge haben ihn derart begeistert, dass er mich von nun an als seinen Angestellten betrachtete. Obwohl mich meine Job bei der Firma Kenngott voll auslastete, verfügte er von nun an über meine Freizeit. Legte alle Termine, die Styroporbeton betrafen, in meinen Feierabend. 

1990 hatte er mich in die Sache so verstrickt, dass er immer wieder nachfragte, ob ich es mir vorstellen könnte, meinen Job zu wechseln: "Ich brauche dich!" Ende 1990 legte er mir ein verlockendes Angebot vor, ich las, er ließ zwei Cognac hereinbringen und ich unterschrieb.


Lorenz Kesting. Er war wohl das, was man als eine Respektsperson bezeichnen konnte. Ich habe in dem Unternehmen keinen Mitarbeiter kennengelernt, der auch nur im Ansatz versucht hat, sich seinen Anweisungen zu widersetzen. Ich habe hohe Abteilungsleiter heruntergebeugt rückwärts aus dem Büro gehen sehen: „Jawohl Chef, wird gemacht Herr Kesting, selbstverständlich erledige ich das sofort, stimme ich ihnen voll zu…“ Diese charakterschwachen Figuren spielten sich nach seinem Tode als beste Freunde und Vertraute von LK auf. Was er wirklich über derartige Kriecher dachte, darüber hat er sich oft genug geäußert. Er mochte dieses Getue nicht.

Ich hatte damit nichts zu tun, mir ging es um die Sache und ich sagte, was ich dachte. „Du machst ja doch was du willst!“ sagte er einmal. Den gleichen Spruch hatte ich 10 Jahre vorher bereits von Hans Kenngott gehört. Dass er mich so akzeptierte wie ich war und mir in meinen Entscheidungen freie Hand ließ, lag wohl daran, dass ich im Wesentlichen erfolgreich in seinem Sinne handelte.

Sein Enkel, Andreas Bierwirth, sagte zu mir: „Opa mag sie deshalb so gut leiden, weil sie ihm immer alles so gut erklären können.“

LK war Erfinder mit Leib und Seele, hatte ständig neue Ideen und im Hinblick auf sein hohes Alter auch eine besondere Eile. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte ich 42 Vorgänge in Arbeit. Obwohl er sogar für seine Erfindungen die Rudolf-Diesel-Medaille erhielt, tat er sich schwer damit, komplizierte Zeichnungen zu lesen. Im Rahmen solcher Diskussionen skizzierte ich schnell 3-D Darstellungen und überspielte unauffällig dieses Manko. Am 03. März 1992 trugen wir ihn in Brambauer 11:00 Uhr zu Grabe. Er verließ uns nach einem arbeitsamen Leben zum Wohle des Unternehmens und seinen Mitarbeitern. Danke.
Im Winter 91/92 waren wir zu Besuch bei Rigips in Scholven. Es war lausig kalt und ich lieh LK meinen Mantel. Nach seinem Tod brachte ich den Mantel in die Reinigung und suchte alle Taschen nach. In der rechten Außentasche fand ich ein Taschentuch mit einem eingestickten Monogramm "L" für Lorenz. Dieses Tuch bleibt mein persönliches Andenken an einen großen Unternehmer und einen guten Freund. 

Das rechte Foto entstand am 24.01.1992, kurz vor seinem Tod auf der DEUBAU in Essen.


Die Nacht......von Moers
Donnerstag 16:0Uhr, ich kam gerade von einem auswärtigen Termin zurück, als mich der Anruf von Lorenz Kesting erreichte. Völlig aufgeregt redete er auf mich ein, aber ich konnte mir keinen Reim daraus machen; nur soviel, dass etwas ganz Schlimmes passiert sei und wir sofort Autos abholen müssten. Als er auflegte hatte, hinterließ er mich mit einem ratlosen Gesichtsausdruck. Was war denn nur los?

Ich war besorgt und machte mich sofort auf den Weg zu seiner Sekretärin Frau Rosenhahn um nachzufragen. Sie erklärte mir, dass die Garagenfabrik Osterbrink in Moers, von der wir vor einer Woche 12 Spezial-LKW regulär für 1.200.000 DM gekauft und eine Anzahlung in Höhe von 189.000 DM geleistet hatten, Insolvenz angemeldet hat. Der Verwalter habe soeben telefonisch gegenüber Lorenz Kesting erklärt, dass der Deal geplatzt sei wir die Autos nicht bekommen und unsere Anzahlung auch futsch sei. (Die Nummernschilder, Fahrzeugscheine und Zündschlüssel lagen in meinem Safe.).

LK rief mich in sein Büro. Er war immer noch aufgeregt und lärmte herum. „Wir holen heute noch die Autos da weg!“ Er wollte unbedingt die Aktion persönlich leiten. 20 Minuten redete ich auf ihn ein, um ihn in dieser Angelegenheit aus der Schusslinie zu bringen: „Wenn die BILD-Zeitung über den Gerstenköper etwas schreibt, dann interessiert das nur wenige Leute, aber Lorenz Kesting als Autodieb, das können wir uns als bekanntes Unternehmen nicht erlauben!“ Damit hatte ich ihn überzeugt und wir gaben uns die Hand darauf, dass ich die LKW’s nach Brambauer bringe.

Ich hatte freie Hand und nun ging alles sehr schnell. Aus unseren Werken rekrutierte ich 12 LKW-Fahrer, besorgte einen kleinen Reisebus, engagierte meinen Werksleiter Kujawiak als Mittäter und um 17:00 Uhr fuhren mit dem Bus im Schlepptau nach Moers. Es war bereits dunkel und bei Osterbrink hatte der Insolvenzverwalter die Belegschaft im Besprechungsraum zusammengetrommelt, um mit ihnen über die Zukunft des Unternehmens zu sprechen. Ich telefonierte mit dem Prokuristen und fragte nach, wie es denn mit seiner beruflichen Karriere weitergehe. Auf seine Äußerung: „Ich habe noch nichts Neues“, erklärte ich ihm, dass er sich hiermit als eingestellt betrachten könne und seine erste Amtshandlung sei es, das Tor von dem LKW-Hof aufzuschließen. Wir wollten ja nur die Autos abholen und keinen Einbruch begehen.

Kurz vor der Autobahnabfahrt Moers klingelte mein Autotelefon: „Ich bin’s, fahr sofort rechts ran!“ Lorenz Kesting, mit langem schwarzem Ledermantel und Lederhut bekleidet, sprang zu mir ins Auto. „Die Aktion muss ich leiten!“ Ich war sprachlos. fuhr etwa 200 Meter an den “Tatort“ heran, stellte mein Auto ab und nahm ihm das Versprechen ab, dass er sich von dem Auto nicht entfernt.

Kurz und gut, Kujawiak hielt wie ein Polizist den laufenden Verkehr auf der Hauptstraße an und ein LKW nach dem Anderen verließ unbemerkt von dem Insolvenzverwalter den Hof. Und immer wieder und überall tauchte LK zwischen den Autos auf. Als ich ihn fragte, ob wir uns die Gesichter schwarz machen sollten, quittierte er mit: „Blödmann!“

Diese Aktion war ganz in seinem Sinne. Keine Briefe schreiben, handeln. Als sich auf der Rücktour der Insolvenzverwalter auf meinem Autotelefon meldete, konnte LK seine ganze Wut ablassen und ihm außerdem eine lange Nase machen. Dass er in seiner Rage mein Telefon völlig zerstörte und aus der Halterung riss, störte ihn nicht. Wir hatten erreicht, was wir wollten. Ich habe ihn in den letzten 6 Wochen seines Lebens nicht mehr so glücklich erlebt wie an diesem Abend. Um 21:00 Uhr standen alle Autos in Brambauer. Natürlich schlossen wir alle Autos gut ab und riegelten alle Tore zu, man konnte ja nie wissen!