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Schnaps und MilchHeiinrichsUrlaubsschein von Heinrichs zerrissen
Heute war bohnern angesagt. 15 Stuben mussten sich innerhalb 2 Stunden einen Bohnerbesen teilen, also unmöglich. Unserer Gruppe hatte sich eine Alternative ausgedacht, der kleinste Soldat war automatisch der Bohnerbesen. Also unser Taubenzüchter Leo Hoffmann aus Iserlohn.

Nachdem wir Leo ein Handtuch auf den Rücken gebunden hatten, legten wir ihn mit dem Rücken auf den eingewachsten PVC-Boden. Günther Eickmann hielt ihn an den Händen und ich hatte seine besockten Füße fest im Griff, als mit viel Schwung und Getöse die Stubentür aufflog und mit lautem Krach gegen die Betten von Peter Grabs und Kalle Beerwert knallte. Überrascht schauten 6 Mann wie angewurzelt auf die Erscheinung. Da stand er mit gespreizten Beinen im Türrahmen, die untergehende Sonne im Rücken. Heinrichs kam nicht einfach so, Heinrichs erschien. Wir waren geblendet und deshalb wirkte er auf uns wie ein Außerirdischer. Aus dem diffusen Licht hörten wir eine markige Stimme: 

„Kanonier Gerstenköper muß morgen nicht inne die Fahrschule nach Unna, fällt aus, geht mit zum Sport!“  

Mit einer äußerst zackigen Wendung drehte er sich um 180° in Richtung Ausgang, blieb aber dann urplötzlich wie angewurzelt und völlig erstarrt stehen. Pause! Dann, ganz langsam drehte er in Zeitlupentempo sein hasserfülltes Gesicht zu mir und schnauzte mich an Kopf zu mir drehte ganz langsam zu mir und meckerte: 

„Glotzen sie mich nicht an wie ein Ölgötze und bestätigen sie!“  

Ich schrie so laut es mir möglich war:  

„Jawohl Herr Stabsunteroffizier!“  

Sein Gesicht wurde blass und wechselte dann in leicht rosa:  

„Was, jawohl Herr Stabsunteroffizier. Wollen sie sich in der Nase popeln, sie doofer Hengst?“  

„Jawohl Herr Stabsunteroffizier, ich meine nein Herr Stabsunteroffizier.“ 

„Mensch sagen sie doch nicht immer jawohl sie Rindvieh, morgen beim Sport werde ich ihnen die Faxen schon austreiben“. 

 Sagte es und verschwand um die Flurecke. Plötzlich zuckte er wieder mit dem Kopf um die Ecke.  

„Machen sie dem Kerl das blöde Handtuch ab, Waschweiber!“  

Weg war er. Ich wusste, morgen wird es ein Scheißtag. Der nächste Tag begann nach dem Frühstück und den üblichen Schikanen mit Gruppenunterricht. Zu diesem Zweck hatte ich ein Schild gemalt, dass immer von außen an die Stubentür gehängt wurde. Das Bild zeigte unsere Gruppe schlafend während des Unterrichtes und an der Tafel stand Heinrichs mit einem Zeigestock. Wir hatten gerade Tische und Stühle zusammengestellt, als Heinrichs den Raum betrat und sofort mit dem Unterrichtsstoff Ballistik loslegte. Ich war erleichtert. 10 Minuten später traf Hauptmann 3-Stern ein und hatte mein Schild in der Hand.  

„Wer hat das gemalt?“  

Mir wurde schlecht:  

„Ich, Herr Hauptmann“.  

„Kommen sie nach dem Unterricht zu mir.“ 

Heinrichs schaute mich innerlich feixend an und strich sich mit dem linken Zeigefinger unter der Nase her. Hat er mit dem Hauptmann etwas gegen mich ausgeheckt? Peter Grabs war der Meinung:  

„Kann auch etwas ganz Normales sein.“ 

Das tröstete mich nicht. Ich saß im Vorzimmer und der Unteroffizier, ich weiß nicht was der eingenommen hatte, hielt einen Bleistift mit der Spitze in der Hand nach oben, starrte ganz fest darauf und machte immer eigenartige Zischlaute. Dann bewegte er den Stift so, als ob er in der Luft etwas malen wollte. Immer hin und her, rauf und runter und ich erwischte mich dabei, dass ich seinen Blicken folgte. Als ich noch überlegte, welche Krankheit den Armen Tropf da befallen hat, ging die Hauptmanntür auf und er strahlte, als er mich sah. Der Vorzimmerunteroffizier hatte seine Luftmanöver eingestellt, sprang auf und bemühte sich Meldung zu machen, wobei der Bleistift auf den Boden flog und er schwankte zwischen einer korrekten Meldung und dem Versuch den Bleistift aufzufangen. Scheiß Haltungsnote dachte ich bei mir. Dreistern winkte angeekelt ab und bat mich höflich in sein Büro.

In den Händen hielt er mein Kunstwerk. 

„Das haben sie gemacht?“  

fragte er liebenswürdig wie ein Wiener Kaffeehausober.  

„Jawohl Herr Hauptmann.“ 

„Ich bekomme in 4 Wochen Besuch von 2 hochrangigen Natooffizieren, einem Ami und einem Engländer  aus Brüssel“  

legte er los.  

„Und ich glaube, es würde den Herren gefallen, wenn wir ihnen zeigen, wie sehr wir der Nato zugetan sind. Können sie mir von allen Armeen der Nato die Dienstgradabzeichen in Form von Tafeln malen?“  

Ich witterte meine Chance, der Quälerei durch Heinrichs zu entgehen und dabei noch unter dem Schutz des Kompaniechefs zu stehen.  

„Selbstverständlich Herr Hauptmann.“  

Damit war unser Deal besiegelt. Er schickte mich nach Unna zu Hauptmann Schulze, um Malpappe und Buntstifte zu besorgen. Bei dieser Gelegenheit schloss ich einen weiteren Deal und vereinbarte mit Hptm. Schulze, dass ich nach der Grundausbildung zu ihm in die Kartenstelle komme. Denn das hatte ich erkannt, Schulze war ein liebenswürdiger Mensch, und ich sah guten Zeiten entgegen.

Aber ich wollte auch noch die Geschichte von Koschinski und Heinrichs erzählen..................