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ALARM! ALARM! ALARM! Mit diesem Gebrüll wurde die Kompanie je aus dem Schlaf gerissen und die Soldaten bemühten sich, so schnell wie möglich den Schlafanzug gegen einen Kampfanzug zu tauschen. Ich hatte GvD, also Gefreiter vom Dienst, und fühlte mich für diese Übung nicht zuständig. So lümmelte ich amüsiert vor dem UvD-Fenster herum und betrachtete das muntere Treiben. Plötzlich und unerwartet wurde ich aus meinen Betrachtungen gerissen, als mich lautstark ein dicker Major, ein Kampfpanzer mit rot glühendem Gesicht, wenig freundlich von der Seite Angst erregend anblaffte: 

He, sie Knallkopf, warum sind sie noch nicht im Kampfanzug?"  

Beide Daumen hinter dem Koppel gesteckt, wippte er in seinen Knobelbechern und zeigte dabei wutschnaubend seine Zähne. Ich stotterte erschreckt:  

„Ich eh, Herr Major….“ „Schnauze, sie Schmalzfritze!“  

Drehte sich weg und verschwand. Bevor ich meine Rechtfertigung loswerden konnte, schrie er noch im Weggehen: 

" Natoalarm, gilt auch für GvD’s, sie Heini. In 10 Minuten melden sie sich im Kampfanzug bei mir."

Ich konnte mich kaum zu meiner Stube durchkämpfen, wie in einem Ameisenhaufen liefen die Soldaten hin und her, schleppten Seesäcke, Kochgeschirre und sonstige Ausrüstungsgegenstände mit sich herum. Diejenigen, die meinten alles komplett zu haben, rannten nach draußen und die, die etwas vergessen hatten, stolperten wieder hinein. Und überall das Gebrüll der Ausbilder. Zwei Soldaten knallten auf der Treppe zusammen und kugelten sich herum.  

„Blödes Arschloch!“  

„Ich hab dich nicht gesehen!“ 

Ich stand wie eine Diva vor meinem Spind und haderte mit der Endscheidung, ob ich den guten Kampfanzug mit Kniff anziehen sollte oder den alten ausgebeulten. Da erwischte es mich kalt. In meinem rechten Ohr fühlte ich die Spucke und den Schweiß des Majors, der mich mit rotem Gesicht, aufgeplusterten Backen und Schaum vor dem Mund erneut anbrüllte:  

„Sie alte Filzlaus, sie krummer Hund, sie sollten sich doch umziehen.“  

„Melde mich wie von Herrn Major befohlen..........."  

„Haben sie noch alle Tassen im Schrank, befohlen, befohlen, was meinen sie mit befohlen?“  

In diesem Moment kam Unteroffizier Campe in die Stube und versuchte trotz seiner beachtlichen Wampe (reimt sich) eine zackig gerade Figur zu machen. Er meldete dem Major so was wie:  

„Herr Major…der General…fragt was los ist…Führungsstab…wir müssen…“  

Bevor der Major ging, drehte er sich zu mir um und brüllte immer noch mit Schaum vor dem Mund: 

„Wir sprechen uns noch!“  

Jetzt hatte er mich aber richtig sauer gemacht. Ich zog mich nicht mehr um.  

20 Minuten später fuhr die Kompanie aus dem Tor, drehte eine halbe Runde, parkte 2 Stunden hinter der Kaserne auf dem Friedhofsparkplatz und kam dann durchs Haupttor wieder zurück. Ich staunte nicht schlecht, denn da hatten sich die Natostrategen wieder einmal etwas Tolles einfallen lassen, um uns für den Ernstfall fit zu machen. 

Das Umziehen zur Herstellung der Alarmbereitschaft an sich war nicht so schlimm, aber es musste noch der gesamte Spindinhalt in einen Seesack verpackt und ein Testament geschrieben werden. Den Quatsch habe ich mir einmal angesehen und mir dann einen weiteren Stahlspind organisiert. Beim nächsten Alarm packte ich dann nur noch die Sachen aus meinem Holzspind in den Stahlspind. Auf die Tür klebte ich ein Schild:  

"Rotes Kreuz"  

Niemand hat weitere Fragen gestellt und den Major habe ich auch nicht wieder gesehen, obwohl er mir doch versprochen hatte, dass er mich noch sprechen wollte. Unzuverlässiger Offizier.