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Der mit dem roten Punkt ist Günther EickmannRechts Klaus Breul und ich links mit ohne Bauch
Von Natur aus bin ich ein äußerst pflichtbewusster und pünktlicher Mensch, verhalte mich in brenzligen Situationen eher gelassen und gebe mich beinahe immer freundlich gegenüber meinen Mitmenschen. Ich kann es nicht erklären warum ich in der Zeit als Wehrpflichtiger nicht meinen persönlichen Regeln entsprach. Dafür habe ich nie eine plausible Erklärung gefunden. 

An normalen Arbeitstagen begann meine Mittagspause um 12:00 Uhr und um 13:30 Uhr musste ich wieder an meinen Schreibtisch in die Kartenstelle zurück. Heute traf ich in der Kantine auf Unteroffizier Cramer (Tossy). Er kam gerade aus dem verlängerten Wochenende zurück und wollte sich mit seinem Kollegen Herdehunecke ein Schnäpschen trinken. Als er mich sah, fühlte er sich bewogen, mir die aktuellsten Ereignisse aus unserem Heimatort zu erzählen und da kann man ja nicht einfach so weglaufen. Er fragte mich freundlich:  

„Willze auch nen Kurzen?“  

Unter dem Vorwand, für Hauptmann Schulze eine Zeichnung machen zu müssen, machte ich mich aus dem Staub.   

In der Zwischenzeit lief Feldwebel Orlich nervös in der Kartenstelle auf und ab. Den Gefreiten Breuel fragte er mehrfach:  

„Wann kommt denn der Gerstenköper endlich?“  

Er wusste nicht, dass ich mittags immer mein Leibgericht, Bockwurst mit Fanta, beim Kantinenpächter Ulrich zu mir nahm. Verzweifelt hat er mich bereits in der Unterkunft gesucht.  

Wenn er so ein dringendes Bedürfnis mich zu sprechen hatte, dann steckte da wieder einmal ein ’gute’ Idee dahinter.  Warum ich dann immer seine erste Anlaufstation war, nervte mich und habe ich nie verstanden. Klaus Breuel erzählte mir später, dass Orlich schon um 12:30 Uhr im Minutentakt auf seine Uhr geschaut und dabei immer den Kopf geschüttelt hatte. Plötzlich sei er aufgesprungen und so etwas gesagt haben wie:  

„Will mal nachsehen, finde ihn schon.“ 

Er lief also in meine Richtung. Unterdessen stiefelte ich derweil gelangweilt die Treppen im Divisionsgebäude hoch, den Blick immer auf die vorbeihuschenden Stufen gerichtet, dabei grüßte ich ohne aufzusehen ziemlich unmilitärisch jedes Fußpaar, das in mein Blickfeld geriet, ohne zu wissen, zu wem die Treter gehörten. Außergewöhnlich flott trippelten auf Hochglanz polierte Halbschuhe an mir vorbei und erst 5 Stufen später dachte ich: 

„Komisch, der hat genau dieselben Latschen wie der Orlich.“ 

„Mensch Gerstenköper, ich warte schon stundenlang auf sie!“ 

„Tschuldigung Herr Feldwebel, aber da war der….“  

„Iss ja schon gut, hörnse auf, ich muss jetzt sofort etwas ganz Wichtiges  mit ihnen besprechen!“ 

Machte nach oben kehrt und ich trottelte hinterher. So ein Mist dachte ich, warum bin ich nicht noch eine halbe Stunde länger in der Kantine geblieben?  Frisch und forsch fegte er vor mir her und meisterte die letzten 30 Stufen in Rekordzeit. In seinem Büro musste ich mir eine schier endlose Litanei über Breitensport, Volksgesundheit und die schlappen Säcke in der Stabskompanie sowieso anhören. 

„Sportabzeichen machen, super Idee Herr Feldwebel!“  

hörte ich mich plötzlich rufen. Über mein spontanes Solidaritätsbekenntnis selbst noch erschrocken, ergriff mich eine unbeschreibliche Euphorie.  

Ich wollte Sieger sein! 

Orlich wiegte den Kopf, schaute mich verklärt und zweifelnd an. Er merkte schon, dass ich mich anders verhielt als sonst. Bei unseren sonstigen Gesprächen, die in Kürze immer vom Dialog zu einem Monologen wechselten, wurde ich nach und nach immer schweigsamer und schaltete in der Regel auf Autopilot um. Ich spürte nun aber auch seinen Argwohn und seine Endtäuschung, weil er zum gewaltigen Hürdensprung angesetzt und die Hürde war weg, einfach weg. Ich Spielverderber hatte das Hindernis entfernt, noch ehe er gelandet war. Was hatte er sich alles zu Recht gelegt, um mir zu imponieren und nun sprang er in einen luftleeren Raum. Es wurmte ihn sehr, so ganz rethorischen Einsatz schon am Ziel zu sein.  

Deshalb dauerte es auch eine Weile, bis er sich damit zufrieden gab, auf diese leichte Weise einen Genossen für seine Idee gefunden zu haben. 

Die Idee. Er wollte als Sportdirektor, Manager und Trainer auf hohem Niveau mindestes 30 Stabsheinis zum Sportabzeichen verhelfen, um damit wie Phönix aus der Asche für immer in die Analen der 7. Panzerdivision eingehen.  Er, der kleine Feldwebel, der zu gerne Offizier sein wollte. Der immer neidvoll auf die silber glänzenden Schultern gesehen hat. Er, der nur rein äußerlich ein Feldwebel war. Innerlich war er ein Offizier vom Scheitel bis zu Sohle, beinahe schon ein General. Wenn man ihn nur ließe.  

Ich schäme mich nicht und stehe heute noch dazu, dass ich von dem Sportabzeichen Match begeistert war.  

Auch ich wollte ein Sieger sein. 

Mein Kampfgewicht, damals 70 kg bei 1,80 Meter Körperlänge, waren die idealen Voraussetzungen. Jeden freien Abend ging ich mit Waldemar Hauser zum Sportplatz und wir trainierten was das Zeug hielt und nach 4 Wochen waren wir davon überzeugt, dass wir alle Bedingungen locker übertreffen werden. 

Der große Tag. Gut in Form sprangen wir und liefen wir was das Zeug hielt. Problemlos übertrafen wir alle Mindestanforderungen. Kaputt aber zufrieden fielen wir nach dem Duschen in die Betten. 

In den folgenden Tagen nach dem Wettkampf prahlten wir oft über unsere tollen Leistungen. Jochen Orlich hatte die Formulare mit den Ergebnissen vorschriftsmäßig zum Deutschen Sportbund geschickt und wir warteten alle gespannt auf unsere Urkunden und auf die entsprechenden Orden. 

Nach 4 Wochen lag endlich der ersehnte Brief vom Sportbund im Posteingang. 

Text:  

….Feldwebel Joachim Orlich ist aufgrund seiner mangelnden Qualifikation nicht berechtigt, den Wettbewerb abzunehmen. Die eingereichten Unterlagen erhalten Sie anbei zurück…  

Mein Kommentar: "Scheiße!“