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Es fing alles ganz harmlos an. Die Enkelkinder Gioia und Alessa waren wieder einmal am Wochenende bei Ulrike und Opa zu Besuch.
Klar, dass die Kleinen immer besondere Erwartungen an ein solches Wochenende knüpften. Keine Schule, kein Kindergarten, stattdessen Freizeit und ein volles Vergnügungsprogramm. Diesmal ging es voll in Erfüllung.
Ulrike schlug vor, einmal eine Schiffstour über den Kanal zu unternehmen. So eine Fahrt mit der Santa Monika dauert in der Regel etwa eine Stunde und führt um Waltrop herum. Für die, die Waltrop nicht kennen, hier ist es beinahe wie in Venedig, man gelangt nur über Brücken in die Stadt, weil alle wichtigen Schiffahrtslinien des Ruhrgebiets um Waltrop herum führen. Also auf mit dem Auto zum Schiffshebewerk, weil dort die Santa Monika vor Anker liegt.
Am Anlegesteg herrscht großer Trubel, so wie wir es eigent-lich nicht kennen. Neben der Santa Monika lagen noch zwei ähnliche Schiffe. Die Gangways waren geöffnet und die Passagiere strömten in aller Eile auf die Schiffe. Ulrike beschäftigte sich mit den Kindern und ich sondierte die Lage vor Ort. Mir schien es so, dass es wohl auf der Santa Monika am gesittetsten zuging. Die Gäste gingen in aller Ruhe an Bord. Also ruderte ich mit beiden Armen in der Luft herum, um Ulrike zu signalisieren, dass sie schnell mit den Kindern kommen sollte.
Neben der Gangway stand ein netter Seemann und nickte uns freundlich zu, als wir das Schiff betraten. Es herrschte wohltuende Ruhe, absolut keine Hektik. Die Leute gingen außergewöhnlich nett und zuvorkommend miteinander um, so wie man den Umgang unter guten Freunden kennt. Man kassierte auch noch nicht das Geld für die Rundreise und ich ging davon aus, dass man dies erst nach dem Ablegen erledigt.
Der Kapitän Rolf Karmineke Gute Stimmung an Bord
Das Schiff legte ab und glitt mit wohltuendem monotonem Motorgeräusch über den Kanal. Für die Kinder war es das erste Mal in ihrem jungen Leben, dass sie eine Schiffreise unternahmen. Eine nette Frau, die zum Bedienungspersonal gehörte, fragte uns diensteifrig, was wir denn gerne zu trinken haben möchten. Ich gab die Bestellung auf und in aller Kürze konnten wir den ersten Schluck genießen. Geld nahm die Frau auch nicht und ich schloss daraus, dass man wohl zum Ende der Fahrt die Gesamtrechnung kassieren würde.
Wir lauschten dem Rauschen der leichten Gischt und genossen die vorbei gleitende Landschaft. Und schon war die nette Bedienung wieder bei uns und erkundigte sich, ob wir denn schon Hunger, hätten und es gäbe Bockwürstchen, belegte Brote, Pommes usw. Klar hatten wir Hunger aber so ein Aufwand für eine derart kleine Schiffstour von 45 Minuten um Waltrop herum? Aber mir war klar, dass die “Reederei“ auch den Kindern, die ja immer Hunger haben, etwas bieten musste, damit sie gerne noch einige Male wiederkommen.

Das Essen kam prompt und auch die anderen Damen vom Bedienungspersonal flitzten freundlich übers Deck, beladen mit Speisen und Getränken. Ich fragte, was es denn kosten würde und griff zu meinem Portomaine. Den Gesichtsaus-druck der Dame konnte ich nicht  recht deuten. Sie lächelte etwas gequält, aber trotzdem freundlich, so als ob ich einen schlechten Witz gemacht hätte und sie nur aus reiner Höflichkeit nett zu mir blieb. Na ja, sind schon etwas seltsame Leute, diese Seefrauen.

An den Tischen neben uns und auf dem gesamten Boot herrschte rege Betriebsamkeit. Manchmal standen einige Fahrgäste auf und gingen in kleinen Gruppen zu anderen Tischen und setzten sich dazu. Diese Leute freuten sich darüber und manchmal  klopfte der eine den anderen freundlich auf die Schulter. Man prostete sich zu und ich glaubte herausgehört  zu haben, dass auch mal spontan das DU angewendet wurde.

Zu Essen gab es reichlich und es schmeckte hervorragend. Als wir fertig waren, machten wir noch schnell einige Erinnerungsfotos, weil nach meiner Uhr die Fahrt bald vorbei sein musste.

Alles Blödsinn dachte ich, was man über die sturen Westfalen redet. Da können sich die Rheinländer eine Scheibe von abschneiden. Diese Harmonie unter den Gästen, die sich doch nur rein zufällig auf diesem Schiff getroffen haben, um einen kleinen Ausflug zu unternehmen.
Landschaft genießen......und hören was Ulrike erzählt
Der Hafen von Wanne-Eickel. Aber was ist das? Wir sind ja schon 2 Stunden unterwegs. Hat der Kapitän die Runde zweimal gefahren. Jetzt versuchte ich anhand der Landschaft zu ergründen, wo wir uns befinden. Vor uns rechts in einem Hafenbecken lag ein riesiges Tankschiff und kurz darauf las ich ein Schild mit der Aufschrift Wanne-Eickel. Wie kann das sein, wir wollten doch nur einmal rum um Waltrop? Inzwischen wurden die Kinder müde und wollten an Land. Da kam eine Durchsage vom Kapitän: “Meine Damen und Herren, wir werden etwa um 19:00 Uhr in Duisburg-Ruhrort anlegen.“
Was nun in meinem Kopf herum ging, kann ich nicht beschreiben. Duisburg? Was sollen wir in Duisburg? Was ist hier überhaupt los!?

Vorsichtig fragte ich die vorbeihuschende Bedienung, wie es denn nun mit dem Bezahlen sei. Die grinste wieder süffisant und fragte ihrerseits: „Was meinen sie denn mit bezahlen, mein Herr?“

Jetzt ging bei mir gar nichts mehr. Wir hatten reichlich gegessen und getrunken, haben den halben Tag auf dem Schiff verbracht und die Dame will kein Geld von mir. Wo ist hier die versteckte Kamera?

Nun ja, wenn die Dame mit der Sprache nicht heraus will, frag ich den Kapitän, der muß es ja wissen. Inzwischen wurde es auf dem Boot immer lustiger, man lag sich in den Armen und schunkelte zu Shanty-Liedern.

Ich eilte zum Kapitän und es entwickelte sich folgender Dialog:

Ich „ Sie haben eben gesagt, dass wir um 19:00 Uhr in Duisburg sind. Kehren Sie dann sofort wieder um?“  

Kapitän „Wieso umkehren, da findet doch die große Party, das Betriebsfest statt.“

Ich „Party, Betriebsfest, welches Betriebsfest?“

Kapitän „Ja Party ihrer Firma.“

Ich „Welche Firma?“

Kapitän „Ja Mensch die Ruhrkohle, wollen sie mich vergackeiern!?“

Ich „Ich bin nicht bei der Ruhrkohle!“

Kapitän „Und was machen sie dann auf meinem Schiff?“

Was war passiert? Als wir das Boot bestiegen, gab es keinen Hinweis darauf, dass die Santa Monika heute von der Ruhrkohle für ein Betriebsfest gechartert war und die anderen Schiffe die üblichen Rundreisen der Santa Monika übernommen haben. Das heißt also, wir nahmen an einem Betriebsfest der Ruhrkohle teil. Jetzt erübrigte sich so manche Frage nach der Geselligkeit der Leute und der kostenlosen Getränke usw.

Aber was jetzt? Die Kinder waren sehr müde und wollten nach Hause. Es gäbe eine Möglichkeit, sagte der Kapitän. In Gelsenkirchen könnten wir an einer Brücke anlegen und dahinter ist eine Bushaltestelle und mit dem Bus käme man direkt zum Bahnhof. Gute Idee, dachte ich.
Gesagt getan. Nachdem der Kapitän lauthals über die Bordlautsprecher verkündet hatte, dass Blinde Passagiere an Bord sein und wir in Gelsenkirchen anlegen, damit wir das Schiff verlassen können, kannte uns nun jedermann an Bord. Aber alle lächelten und nickten und wohlwollend zu. Im haarsträubendem Manöver legten wir an dem Hilfssteg an, begeleitet von kräftiger Marschmusik „Muß i den, muß i den…“ und weiterem Feixen des Kapitäns gingen wir an Land. Die anderen Passagiere winkten und jubelten uns zu. So gesehen war es eigentlich ganz nett.

Der Kapitän rief noch hinterher: „Seien sie froh, dass wir nicht nach Amerika gefahren sind!“
Nun standen wir da, in Gelsenkirchen, an der Busstation. Wie liest man einen Fahrplan? Ein Rentnerehepaar, das sich besser auskannte, erklärte uns, dass der Bus in “Einerstundefünf“ zum Bahnhof fährt. Den Knirpsen gefiel das gar nicht. Missgelaunt kauerten sie auf den Sitzen im Wartehäuschen.
Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Endlich, der Bus fuhr vor und in 35 Minuten waren wir am Bahnhof Gelsenkirchen. Nur eine Bemerkung: “Schalke spielt heute.“ Der Bahnhof wimmelte voller betrunkener Fans und einsatzbereiten Polizeieinheiten. Wir mogelten uns durch zum Fahrkartenschalter und wieder das gleiche Drama: Wie löst man die Fahrkarten? Ein Student mit einem riesigen Rucksack auf dem Rücken bot Hilfe an. Er schlug vor, noch 20 Minuten zu warten, dann käme ein besonderer Zug und der sei 25 % billiger. Ich fand seine Hilfestellung klasse, aber der Vorschlag, noch 20 Minuten zu warten gefiel mir absolut nicht. Der junge Mann begleitete uns bis zum Bahnsteig zum Zug nach Castrop-Rauxel und wartete selbst auf die 25 % billigere Fahrt.

Als der Zug abfuhr, rief ich meine Tochter an und dirigierte sie mit ihrem Mann zum Castrop-Rauxeler Bahnhof. Die Kindersitze waren natürlich in meinem Auto und das stand in der Nähe der Anlegestation der Santa Monika. Also alles wurde noch einmal etwas hektisch, aber der Opa hat den Kinder heute wieder einmal das komplette Programm geboten.
Und plötzlich war auch das Renntnerehepaar von der Bushaltestelle wieder daÜberall im Zug haben die Schalker Fans leere Bierflaschen hinterlassen
"DAS ENDE DER ODYSSEE" Spätestens als ich dieses Foto machte, hätte ich wissen müssen, dass wir auf dem falschen Dampfer waren. Weil ich ein technisch interessierter Mensch bin, durchstreifte ich das Schiff und schaute mir die eine oder andere Funktion an.

Klar, ich machte mir Gedanken darüber, dass auf dem Blatt "Rheinfels" stand. Fand aber spontan die Erklärung, dass es sich um ein Schif der "Rheinfels-Klasse" handelt. So etwas gibt es, Schiffe die in Serie gebaut werden, bezeichnet man als "Sowieso-Klasse".

Pustekuchen, falsch gedacht. Die folgende Mail von Erich Janssen brachte die Aufklärung.
DIE AUFKLÄRUNG:

Ei wei...
nun hat aber Ihre Irrfahrt immer noch kein Ende gefunden, denn das Schiff, mit dem Sie gefahren Sind, war keine "Santa Monika" (davon gibt es immerhin 3 Stück), sondern das Schiff "Rheinfels" aus Duisburg.

Der Kapitän, Herr Karminecke, ist ein guter Freund von mir.

"Ehre", wem Ehre gebührt :-) ... 

Herzlichen Gruß

Erich Janssen